Poesie im Ballhaus
Puccinis Commedia lirica ist strenggenommen ein dramaturgisches mixtum compositum: Der «Traviata» scheint die entsagungsvolle Kurtisane entnommen, der «Fledermaus» das in der Toilette seiner Chefin auf dem Ball erscheinende Dienstmädchen. Zu allem Überfluss spielt auch noch die «Lustige Witwe» mit ihren Grisetten ins Geschehen hinein. Uneinheitlich wie die Handlung ist zudem Puccinis Partitur.
Vokales, wie etwa Magdas Arien, klingen nach «La fanciulla del West», während sich das zum Quartett geweitete, vom Chor gestützte Trinklied ihres Liebhabers Ruggero ausnimmt, als habe Puccini auf eine Variante zur «Bohème» gezielt. In tänzerischen Momenten klingt deutlich auch Lehár an. Für Regie und Ausstattung bedeutet «La rondine» eigentlich ein Himmelfahrtskommando. Im Bewusstsein der obwaltenden Problematik entlockt Paul-Émile Fourny dem disparaten Werk ein unerwartetes Maß an Poesie. Der Intendant der Oper Metz setzt sich deutlich von der Trivialität der Handlung ab, indem er sie als Metatheater auffasst. Schauplatz für alle drei Akte ist ein heruntergekommener und längst nicht mehr bespielter Theatersaal, den Benito Leonori beinahe spiegelbildlich zur Louis XV.-Anmutung des Metzer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Michael Kaminski
Im Plenarsaal des Deutschen Bundestages werden 16 Nonnen hingerichtet. Eine nach der anderen sinken sie zu Boden, darüber schwebt drohend der Bundesadler. Ein Ort, der vielen als Symbol der Rechtsstaatlichkeit gilt, wird zum Schauplatz des Terrors. Die ungeheuerliche Szene bringt die Befürchtungen auf den Punkt, die Regisseur Paul Georg-Dittrich und sein Team für...
Wie konnte es sein, dass nach John Eliot Gardiners Pioniertat von 1987 in Lyon und beim Festival d’Aix-en-Provence, die Glucks erster französischer Oper messerscharfe Konturen und (durch einige rustikale Kürzungen der Divertissements) eine Dramaturgie aus dem Geist der Opernreform verliehen hatte, Riccardo Muti 2002 in Mailand noch einmal ein groß besetztes...
Eine Menschenmenge. Immer mehr kommen aus den Seitengassen, junge Paare, Alte, Kinder, es hört einfach nicht auf. Normalerweise, oft im «Ring» ist das so, starren sie jetzt ins Publikum mit der stummen Frage: «Und ihr?» Doch wir sind nicht am Ende der «Götterdämmerung», sondern beim letzten Orchesteraufbauschen im «Rheingold». Und geschaut wird nach hinten, auf...
