Tod auf Kredit
Man sieht es und staunt. Nell kann gehen. Zumindest am Anfang dieses Abends, der vom Ende erzählt und wie man sich darauf vorbereitet, wie man die Stufen vom Sein zum Nichts herabschwebt, ohne schwindelig zu werden. In Frack und weißem Hemd tritt also die Frau, die im Stück nach einem Unfall keine Beine mehr hat, vor den Vorhang, lächelt ins Publikum und singt mit zarter, liebreizender Stimme ein kleines Lied auf Samuel Becketts Minidrama «Roundelay».
Es ist ein Lied über einen einsamen Abschied: «am ganzen Strand / am Ende des Tages / Schritte einziger Laut / lange einziger Laut / bis ungebeten stille stehen / dann kein Laut / am ganzen Strand / lange kein Laut / bis ungebeten wieder gehen / Schritte einziger Laut / lange einziger Laut / am ganzen Strand / am Ende des Tages.»
Becketts Schauspiel «Fin de partie» erzählt davon. Nicht nur vom Ende des Tages, sondern vom Ende des Lebens. Schon der erste Satz weist darauf hin, er ist das Initial, dem alles Weitere folgt. «Fini, c’est fini, ça va finir, ça va peut-étre finir»: «Ende, es ist zu Ende, es geht zu Ende, es geht vielleicht zu Ende.» Auch für György Kurtág bedeutet dieser Satz das Wesentliche seiner Scènes et Monologues, die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Jürgen Otten
Das ist doch mal ein Statement: «Ich bin schön.» In diesem dreifach einsilbigen Satz der Sancta Susanna liegt gehöriger Sprengstoff. Da bricht die Energie einer jungen Frau auf, die ihren Körper in der Sittenstrenge des Klosters nicht eine Sekunde lang spüren durfte. Wo die Keuschheit von Schwester Klementia, ihrer einzigen Vertrauten, als gemeinsames Gelübde...
Antoine ist düster. Ahnt der junge Mann etwas? Gemeinsam mit anderen Bauern und mit den Tieren ist er vom heimat -lichen Dorf zur Sömmerung auf die Alpe Derborence gestiegen. Bald legt er sich auf seinem Strohsack in der einfachen Hütte schlafen – da geschieht es: Es donnert ein Felssturz auf die Alpe herab und begräbt alles Lebendige unter Steinmassen. Ein...
Die Oper «Sita» nach dem indischen Nationalepos «Ramayana» entstand 1908/09. Nachdem Gustav Holst sie bei einem in England ausgeschriebenen Wettbewerb eingereicht und «nur» den zweiten Preis gewonnen hatte, unternahm er bis zu seinem Tod keine weiteren Anstrengungen mehr für eine Bühnenumsetzung. Erst für die Erstproduktion am Staatstheater Saarbrücken anlässlich...
