Richard Wagner und das Tempo in seiner Musik
Im Zeitalter der Medien geht es im Allgemeinen nicht mehr um die Darstellung des jeweiligen Werkes, sondern um die Selbstdarstellung der Dirigenten und Regisseure. Da von der Mehrzahl der Medien bei der Vielzahl der Ereignisse nur noch die Extreme beachtet werden – es muss extrem jung oder alt, extrem schnell oder langsam, extrem leise oder laut, extrem schön oder hässlich sein – richtet sich eine überwältigende Zahl der Interpreten nach dieser Anforderung der Zeit, um von diesen Medien beachtet zu werden.
Diese These zu erhärten, scheint nicht so einfach.
Am Beispiel der Temponahme lässt sie sich jedoch deutlich beweisen. Beim Studium der Aufführungstraditionen von Wagners Werken fällt auf, dass etwa in den ersten 70 Jahren der Existenz dieser Werke eine bestimmte Richtung der Temponahme feststellbar war, die auf der Übertragung von einer Generation zur anderen basierte und (fast) keine extremen Abweichungen aufweist. Einzelne Verlangsamungen des Tempos bei Wagners Werken gab es aber auch schon zu seiner Zeit, und der Komponist wehrte sich heftig. So wurde ihm zugetragen, dass seine «Tannhäuser»-Ouvertüre an Stelle der von Wagner in Dresden benötigten zwölf Minuten sogar zwanzig ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2013
Rubrik: Wagner 200, Seite 66
von Hartmut Haenchen
Jahrzehntelang hatte das Nationaltheater Mannheim ein klar umrissenes, man könnte auch sagen: ein eng umgrenztes, trotzdem weit ausstrahlendes Profil. Mannheim war die Stadt eines gediegen gepflegten Wagner-Kults. Weniger wegen szenischer Neuerungen als wegen der musikalischen Stabilität. Horst Stein, ab 1963 für sieben Jahre Musikchef, nannte Bayreuth gern den...
Gleich im ersten Intendantenjahr hat Barrie Kosky es geschafft, der Komischen Oper Berlin seinen Stempel aufzudrücken: Bunter, hipper, vitaler ging es in der Saison 2012/13 an keinem anderen Opernhaus der Hauptstadt zu. Von Monteverdi bis zu Neuwirth, vom Mozart-Kino bis zur deutsch-türkischen Kinderoper und Operettenrevue. Ein programmatisches Bekenntnis: Am...
Braunhemden, Hakenkreuzbinden, Tod im Gas: Wenn das Grauen der NS-Vergangenheit auf der Opernbühne verhandelt wird, geht die Sache meist schief. Burkhard C. Kosminskis SS-«Tannhäuser» in Düsseldorf und der zwanghafte Hitlergruß von Bayreuths nächstem «Parsifal»-Regisseur Jonathan Meese sind aktuelle Beispiele dafür, wie die Ausstellung des Bösen (bzw. das Spiel...
