Reines Glück

Gluck: Armide Lübeck / Theater

Es war der Abend des Orchesters. Kaum je hat man die Philharmoniker der Hansestadt in einer derart bestechenden Verfassung gehört. Diese fein abschattierten dynamischen Nuancen, diese lebendige ­Artikulation, diese plastisch ausgeformten Spannungsbögen, diese in jedem Moment überzeugenden Tempi von einem oft atemraubenden, dabei mit äußerster Präzision ausgeführten Agitato – all das sorgte für einen außergewöhnlichen Lübecker Opernabend.

Am Pult stand – das Theater hatte sich diesen Luxus erlaubt – ein gastweise verpflichteter Könner: Christoph Spering, der jetzt mit der «Armide» in Lübeck «Gluck pur» servierte und den Beweis antrat, dass man auch ein modernes Orchester auf die Spielweise alter Musik einstimmen kann. Überzeugend der durchweg schlanke Klang, der niemals die Stimmen zudeckte (eine Gefahr, die in Lübeck des Öfteren zu beobachten ist). Auch die großen, kraftvollen Steigerungen – das Finale des ersten Akts etwa oder die Beschwörung des Hasses – klangen nie plakativ. Und die tonmalerischen Passagen wie die Begleitung zu ­Renauds Schlummerarie, zu den zauberhaften Szenen der Schäferin im zweiten und des Lustgeistes im fünften Akt rankten sich gleichsam um den Gesang.

Sper ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Gerhart Asche

Weitere Beiträge
Reichlich Raben

Es war eine anmutige, traditionelle «Werther»-Deutung, die der französische Schauspieler und Regisseur Paul-Émile Deiber 1971 an der Met für seine spätere Frau Christa Ludwig und für Franco Corelli in der Titelpartie in Szene gesetzt hatte. Richard Eyres Neuinszenierung von Massenets Vierakter könnte man neokonservativ nennen: Visuell angereichert mit Naturmotiven...

Passion einer Liebe

Der Ungar Jenö Hubay (1858-1937) ist heute nur noch Geigern durch seine virtuosen Violinkompositionen ein Begriff. Braunschweig hat jetzt seine 1923 in Budapest uraufgeführte, zuletzt 1936 in Wien und Chemnitz gespielte Oper «Anna Karenina» ausgegraben. Hubays Librettisten Alexander Góth und Andor Gabór (der später als kommunistischer Schriftsteller in der Weimarer...

«Mich kann nichts mehr erschüttern»

Herr Soltesz, Sie waren 16 Jahre Intendant und Generalmusikdirektor in Essen. Für heutige Verhältnisse eine Ewigkeit?
Die Zeiten sind kurzatmiger geworden. Wolfgang Sawallisch war 22 Jahre an der Bayerischen Staatsoper in München, das entspricht nach heutigem Empfinden der Zeit, die ich in Essen geblieben bin. Als ich den Vertrag unterschrieb, rechnete ich mit einer...