Reines Glück

Gluck: Armide Lübeck / Theater

Opernwelt - Logo

Es war der Abend des Orchesters. Kaum je hat man die Philharmoniker der Hansestadt in einer derart bestechenden Verfassung gehört. Diese fein abschattierten dynamischen Nuancen, diese lebendige ­Artikulation, diese plastisch ausgeformten Spannungsbögen, diese in jedem Moment überzeugenden Tempi von einem oft atemraubenden, dabei mit äußerster Präzision ausgeführten Agitato – all das sorgte für einen außergewöhnlichen Lübecker Opernabend.

Am Pult stand – das Theater hatte sich diesen Luxus erlaubt – ein gastweise verpflichteter Könner: Christoph Spering, der jetzt mit der «Armide» in Lübeck «Gluck pur» servierte und den Beweis antrat, dass man auch ein modernes Orchester auf die Spielweise alter Musik einstimmen kann. Überzeugend der durchweg schlanke Klang, der niemals die Stimmen zudeckte (eine Gefahr, die in Lübeck des Öfteren zu beobachten ist). Auch die großen, kraftvollen Steigerungen – das Finale des ersten Akts etwa oder die Beschwörung des Hasses – klangen nie plakativ. Und die tonmalerischen Passagen wie die Begleitung zu ­Renauds Schlummerarie, zu den zauberhaften Szenen der Schäferin im zweiten und des Lustgeistes im fünften Akt rankten sich gleichsam um den Gesang.

Sper ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Gerhart Asche

Weitere Beiträge
Artists in resistance

Über den kulturellen Kahlschlag, den die Landesregierung von Sachsen-Anhalt im vergangenen Juni beschlossen hat, ist in den letzten Monaten viel zu lesen gewesen. Dessau trifft es besonders hart: Hier sollen die Sparten Schauspiel und Ballett ganz eingespart werden.

Jetzt haben sich Intendant André Bücker und das Ensemble mit den Mitteln des Theaters gegen den...

Kratzers Krimi

Als Thriller im Kammerspiel-Format zeigt der Regisseur Tobias Kratzer am Luzerner Theater Bizets «Carmen». Seine Inszenierung beginnt da, wo der dritte Akt der Oper endet: Carmen hat Don José verlassen und ist zum Torero Escamillo gezogen. Der Bühne von Rainer Sellmaier zeigt ein Zimmer in Escamillos Wohnung in einem unwirtlichen Betonbau. Über dem Flachbildschirm...

Was nicht gelebt werden darf

«... wird aus der Hölle heißem Brand Erlösung nimmer dir erblühn». Immer wieder stammelt er die Worte, windet sich, als wolle er sie abschütteln, spuckt sie aus, keucht, zuckt. Ein Trauma. Ein Vorspann. Noch bevor die Ouvertüre einsetzt, sehen wir Tannhäuser einsam im Lichtkegel. Rom liegt hinter ihm, den Bannfluch des Papstes aber wird er nicht mehr los. Was...