Kratzers Krimi
Als Thriller im Kammerspiel-Format zeigt der Regisseur Tobias Kratzer am Luzerner Theater Bizets «Carmen». Seine Inszenierung beginnt da, wo der dritte Akt der Oper endet: Carmen hat Don José verlassen und ist zum Torero Escamillo gezogen. Der Bühne von Rainer Sellmaier zeigt ein Zimmer in Escamillos Wohnung in einem unwirtlichen Betonbau. Über dem Flachbildschirm hängt als Trophäe ein beeindruckender Stierkopf, an der Wand gegenüber das Torerokostüm, noch im Plastiksack der Reinigungsanstalt. Während das Paar im Bad turtelt, dringt José in das Appartement ein.
Damit beginnt ein von Rückblenden unterbrochener, mit vielen Pointen gespickter, spannender Krimi. José, halb wahnsinnig, ist zum Äußersten entschlossen. Zunächst muss er sich allerdings hinter dem Sofa verstecken, denn eine Schulklasse bringt ihrem Arenen-Idol ein Ständchen («Avec la garde montante»). Dann überwältigt er die Ex-Geliebte, quält sie, zwingt sie, mit rotem Rüschenkleid und schwarzer Perücke als Cliché-«Carmen» verkleidet, für ihn zu tanzen. Irgendwann schläft er ein, doch Carmen nutzt die Chance zur Flucht nicht – ihre Gefühle für ihn sind wieder erwacht. Das ist verständlich, denn der egomane Escamillo ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Alfred Ziltener
Es mag Zufall gewesen sein, dass der Besuch des Doppelabends mit Poulencs «Voix humaine» und Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» genau auf den Weltfrauen-Tag fiel. Sind doch beide Einakter exemplarisch auf das Schicksal einer in den Fesseln der Liebe ausweglos verstrickten Frau fokussiert. Die thematische Koinzidenz ist evident, wenn auch nicht unbedingt singulär....
Christof Loys ausgefeilt-stimmige Züricher Inszenierung von Bellinis romantischem Melodramma «La straniera» (siehe OW 8/2013), von der man hoffen möchte, dass sie dem zu Unrecht vernachlässigten Stück einen ähnlichen Innovationsschub gibt wie Jossi Wielers und Sergio Morabitos wegweisende Stuttgarter «Norma» 2002, hat – mit gänzlich neuer Besetzung – das Essener...
Abseits des Hauptstadtgeschehens um Covent Garden und English National Opera wird das Operndasein im Vereinten Königreich vom Tourneebetrieb bestimmt. Die Welsh National Opera bildet da keine Ausnahme. David Pountney leitet die Geschicke der walisischen Kompanie seit 2011. Sein bescheidenes Büro im Wales Millenium Centre von Cardiff – kein Vergleich zu dem luftigen...
