Klassischen Sinns
Wie man heute noch Opern schreibt – darauf gibt Aribert Reimann seit 50 Jahren seine eigene Antwort. Zum postmodernen Musiktheater Hans Werner Henzes hält er die gleiche Distanz wie zu den Konzepten der Avantgarde. Reimann verteidigt eine Position des Personalstils, wie sie im Musiktheater um 1900, bei Debussy, Janáček oder Schönberg, eine kurze Blüte erlebte.
Was die drei Opernhäuser seiner Heimatstadt Berlin im Jahr seines 80.
Geburtstag an Reimann versäumt haben, holen sie nun, ein Jahr später nach: Die Deutsche Oper hebt im Oktober sein neues Maeterlinck-Triptychon aus der Taufe, die Staatsoper zeigt seine «Gespenstersonate», und die Komische Oper hat die Berliner Erstaufführung der «Medea» besorgt. Trotz guter Resonanz ist dies nach der Übernahme der Wiener Uraufführungsproduktion in Frankfurt am Main erst die dritte Inszenierung des Werks – sieben Jahre nach der Uraufführung.
Angesichts der Kraft dieser Partitur versteht man das nicht, erst recht nicht angesichts der Aktualität, die dem Werk durch die Flüchtlingsproblematik zugewachsen ist. Reimann hat aus der Vorlage Franz Grillparzers die Herleitung des unbegreiflichen Verbrechens einer Fremden herausgelesen. Medea, mit ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Peter Uehling
Zu einem Auftritt an der Met habe ich’s nie gebracht. Ich glaube auch kaum, dass es noch dazu kommt. Macht nichts; wahrscheinlich kämen wir, die Met und ich, ohnehin nicht miteinander aus. Ich habe mir da das eine oder andere angesehen: Stets schien mir das Publikum sehr betagt und konservativ. Wer nicht schon nach ein paar Takten selig schlummerte, beschwerte sich...
Mit seiner «Rosmonda d’Inghilterra» auf ein Libretto von Felice Romani, der die historische Geschichte von Henry II. und seiner Geliebten Rosamund de Clifford sehr frei behandelte, errang Gaetano Donizetti bei der Uraufführung (Florenz, Februar 1834) nicht mehr als einen Achtungserfolg. Noch zu seinen Lebzeiten verschwand das Stück von den Spielplänen. Erst im Zuge...
Grenzen zu überwinden, ist ein Menschheitstraum: die Schwerkraft (Fliegen), den Tod (Medizin), das noch Unbekannte, dem sich die Entdecker, oft auch Eroberer verschrieben. Wo noch nie ein Mensch war, will man hin, als Erster natürlich. Es ist ein primär männlicher Impuls der Weltbeherrschung, zugleich mystisch-mythisch-metaphysisch unterfüttert. «L’aqua, ch‘io...
