Regenschauer aufs Herz
Die Neuproduktion von «Pelléas et Mélisande» an der Pariser Nationaloper ruht fast ganz auf den Schultern beziehungsweise Gurgeln des Titelpaars. Sabine Devieilhe singt die Mélisande seit nunmehr zehn Jahren: konzertant (in Tourcoing 2015 und am Pariser Théâtre des Champs-Élysées 2018) und auch szenisch (Ende letzter Spielzeit mit großer Resonanz an der Bayerischen Staatsoper). Als Sängerdarstellerin trat sie in dieser Rolle nun aber erstmals in ihrem Heimatland auf. Die Erwartungen waren hoch, Devieilhe hat diese womöglich noch übertroffen.
Von der Stimme her entspricht die Normannin den Anforderungen der Rolle ideal. Ihr Timbre ist weder kühl noch farblos, aber von einer großen Reinheit: homogen über die Register hinweg, weder Inklusionen von Kolorit noch Trübungen der Transparenz aufweisend – diaphan wie ein Diamant und pur wie eine Perle. Mélisandes Hauptcharakteristik ist ihre mysteriöse Natur: Sie ist ein Mensch, aber nicht unbedingt ein Mensch aus Fleisch und Blut. Wo kommt sie her, was hat sie durchgemacht, warum vermag sie in ihrer neuen Heimat nicht Wurzeln zu schlagen? Woran krankt sie, woran stirbt sie? Ein Timbre, das zu opulent, zu parfümiert, zu körperhaft wäre, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Marc Zitzmann
Auf den ersten Blick wirken seine Artefakte amorph, wie zerklüftet im Lauf der Jahre. Länger betrachtet lassen die scheibenartigen Skulpturen indes oft menschliche Gestalten erahnen, die mit der Zeit ihre Eigenart verloren haben: Gesichter, kaum noch erkennbar. Manchmal sind es derer sogar zwei. Nicht eben zufällig hat der britische Bildhauer Tony Cragg vor einigen...
Das Rote Meer teilt sich: Die Hebräer fliehen vor den Ägyptern, die in den zurückflutenden Wassermassen versinken. Mit diesem alttestamentarischen Bild endet Rossinis «Moses in Ägypten». Der Komponist schätzte dramatische Effekte. Um das Verbot weltlicher Opern zur Fastenzeit zu umgehen, griff er – wie viele Komponisten seiner Zeit – auf einen biblischen Stoff...
Eines kann man dem Duo Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka gewiss kaum vorwerfen: dass sie ihr Konzept nicht beinhart durchziehen würden. Auch der dritte Teil ihres «Rings» verlegt das Bühnenwerk komplett in jenes mehrgeschossige Labor, in dem blonde oder blondierte Götter, Nachtalben, Menschen und Klone seit vielen Opernstunden an Fortpflanzungsgeschichten...
