Eine magische Erfahrung
Als Theodor W. Adorno in seiner 1962 publizierten «Einleitung in die Musiksoziologie» gleich zu Beginn, im Kapitel «Typen musikalischen Verhaltens», den durchaus ambitionierten Versuch unternahm, verschiedene Hörertypen zu definieren, wusste er selbst, dass diese Rubrizierung nur in einem idealtypischen Sinne und sehr allgemein, als eine Art «Mutmaßung» zu verstehen sei, die auch gewisse Überschneidungen zwischen den einzelnen Typen enthalten würde.
Ziel und Absicht seines Versuchs sei es, so Adorno, «im Bewusstsein gesellschaftlicher Antagonismen, von der Sache, nämlich der Musik selbst, her die Diskontinuitäten der Reaktionen auf jene plausibel zu gruppieren».
Adornos Annäherung ist Legende. Auch der Komponist Jan Kopp kommt in seiner in der Reihe «Caprices» im Wolke Verlag erschienenen Essaysammlung «Das hörbare Hören» nicht an Adornos Klassifizierung vorbei. Zu stark ist die Setzung, zu plausibel auch die detaillierte Unterscheidung der Hörertypen – vom Experten, der zu «gänzlich adäquatem Hören» imstande ist, über den «guten Zuhörer», der über das musikalisch Einzelne hinaushört (der aber, und darin war Adorno prophetisch, «mit der unaufhaltsamen Verbürgerlichung der ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Medien, Seite 34
von Jan Verheyen
Grimmig sieht er aus, der Licht- und Feuerbringer, von Schatten umgeben, verdüstert irgendwie. Doch liest man die Verse, die der Geheimrat Goethe seinem «Prometheus» in die Seele streute, muss man sich nicht wundern. Da fürchtet jemand um den Bestand der Erde, und weil er ein aufrichtiger Geist ist, gibt der an den Kaukasus geschmiedete Menschenfreund dem obersten...
Zweimal wird die Schiebetür im Hintergrund geöffnet. Die Aussicht: ganz famos. Ein Wald-Wiesen-Idyll – nur dass ein Absperrklebeband das Panorama teilt und Stacheldraht die Aussicht stört. Davor steht ein riesiger Metallstuhl. Der kann beklettert und umgekippt werden, ist Thron, Zimmerecke oder auch mal eine Art Gefängnis. Ganz reduzierte szenische Zeichen sind...
Das Rote Meer teilt sich: Die Hebräer fliehen vor den Ägyptern, die in den zurückflutenden Wassermassen versinken. Mit diesem alttestamentarischen Bild endet Rossinis «Moses in Ägypten». Der Komponist schätzte dramatische Effekte. Um das Verbot weltlicher Opern zur Fastenzeit zu umgehen, griff er – wie viele Komponisten seiner Zeit – auf einen biblischen Stoff...
