Raus aus der Scheinwelt
Herr Koch, wer ist schuld an der Misere der fünfzehn «Ring»-Stunden? Alberich? Oder doch die Rheintöchter, weil sie ihn verlockt haben?
Das ist die große Frage. Beide Seiten wahrscheinlich. Ich sehe Alberich nicht als Alleintäter. Er ist mir auch nicht unsympathisch. Gerade in der Konfrontation mit Wotan verstehe ich manche seiner Handlungen und Reaktionen. Aber vielleicht ist auch das Gold schuld…?
Wie sah Ihr erstes «Ring»-Erlebnis aus?
Meine erste Rolle im «Ring» war der Donner.
Viel früher, mit 15 oder 16 Jahren, habe ich daheim die Karajan-Aufnahme rauf- und runtergehört. «Siegfried» war für mich als Jugendlicher mit dem Tod Mimes zu Ende, dann hat mich die ganze Sache nicht mehr interessiert.
Warum denn das?
Der Rest, also die Begegnung mit Brünnhilde, dieses brünstige Duett, all das war mir in dem Alter viel zu langatmig.
Sie singen viele zwielichtige Figuren wie Alberich, Pizarro oder Telramund. Ist man da neidisch auf die Interpreten der Lichtgestalten?
Eigentlich nicht. Den Hans Sachs habe ich ja schon im Repertoire. Und ich plane, vom Alberich zum Wotan zu wechseln. Andererseits ist dieses Zwielichtige gerade spannend, weil diese Figuren so vielfältig in ihrer Abgründigkeit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Interview, Seite 44
von Markus Thiel
In Linz müsste man sein: Mit sarkastischem Seufzer setzte der große Helmut Qualtinger vor Jahren diese Schlusspointe zu einer himmlischen Parodie auf zwei Knattermimen aus der ehedem großdeutschen Provinz. Doch der Satz hat seine Süffisanz längst verloren. Vor allem zu dieser Zeit, denn während anderswo Theater barbarisch amputiert oder gar geschlossen werden, baut...
Zu Beginn trollt sich einer über eine hohe Treppe in den Orkus. Unvermittelt denkt man an den lokalen Heros der unterirdischen Kanalwelt, den Dritten Mann. Doch das hier ist nicht Harry Lime, und es sind auch nicht Anton Karas’ Zitherklänge, die wir hören. Sondern Streicherflirren, Hörner, ein markantes Posaunensolo und wenig später einen prächtigen Chor, der «den...
Meldungen
Auf dem Spielplan 2012/13 der Vlaamse Opera Antwerpen/Gent stehen Opern und Konzerte, die sämtlich einen Bezug zum Glauben haben – an die Wissenschaft oder an Macht ebenso wie an Gott, an eine Erlösung, an die Liebe, an Gemeinschaft oder an Utopien. So stellt Jan Fabre mit «Tragedy of a Friendship» eine neue Oper vor, die von der schwierigen Freundschaft...
