Wenn sich das Bewusstsein auflöst

Linz | Glanert: Nijinskys Tagebuch Poulenc: Dialogues des Carmélites

Opernwelt - Logo

In Linz müsste man sein: Mit sarkastischem Seufzer setzte der große Helmut Qualtinger vor Jahren diese Schlusspointe zu einer himmlischen Parodie auf zwei Knattermimen aus der ehedem großdeutschen Provinz. Doch der Satz hat seine Süffisanz längst verloren. Vor allem zu dieser Zeit, denn während anderswo Theater barbarisch amputiert oder gar geschlossen werden, baut man in der Donaustadt mit Eifer ein brandneues «Musiktheater am Volksgarten» (siehe OW 8/2009).

Das 150-Millionen-Haus soll im besten Wortsinne «alle Stückln» spielen, wobei die einzigartige Bühnentechnik bereits jetzt Fachleute aus ganz Europa zur Inspektion nach Linz lockt. In knapp einem Jahr, am 12. April 2013, wird es mit der Uraufführung einer Oper von Philip Glass (dem Intimus des Linzer GMD Dennis Russell Davies) nach Peter Handkes «Spuren der Verirrten» eröffnet.

Indes pflegt man keineswegs den Tunnelblick Richtung Eröffnung, sondern hat auch davor manch Interessantes zu bieten, wie etwa die österreichische Erstaufführung von Detlef Glanerts «Nijinskys Tagebuch für zwei Sänger, zwei Schauspieler, zwei Tänzer und Instrumente» (uraufgeführt 2008 in Aachen) bezeugt. Der Titel bezieht sich auf jene Aufzeichnungen, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Leicht und frei muss es klingen

Eigentlich sollte sie schon im Auto nach Mailand sitzen. Am Opernstudio der Scala warteten bereits die nächsten Schützlinge. Junge Sängerinnen und Sänger, die sich nach dem Studium und ersten Schritten in die Berufspraxis von ihr den letzten Schliff für die Karriere erhoffen. Aber auf einen Sprung schaut Mirella Freni dann doch noch in ihrer eigenen Gesangsakademie...

Omelette? Um Gottes willen, nein!

Zu Beginn trollt sich einer über eine hohe Treppe in den Orkus. Unvermittelt denkt man an den lokalen Heros der unterirdischen Kanalwelt, den Dritten Mann. Doch das hier ist nicht Harry Lime, und es sind auch nicht Anton Karas’ Zitherklänge, die wir hören. Sondern Streicherflirren, Hörner, ein markantes Posaunensolo und wenig später einen prächtigen Chor, der «den...

In Schwingung

Es ist ein ganz seltsames Stück. Einerseits politische Oper, andererseits humorvoller Kommentar eines bedeutenden historischen Ereignisses. Ernst gemeintes Pathos wechselt mit luziden Passagen. Dazu kommt ein redundanter Tonsatz mit großflächigen, repetitiven Mosaiken und darin eingesponnenen, vorwiegend feinen Kantilenen. Stofflicher Dreh- und Angelpunkt des...