Der Sadist spielt Flöte
Ein historischer Hammerflügel nebst hölzernem Notenständer und zwei Biedermeierstühlen in goldbraunem Nussbaum zieren den Palazzo Farnese, wie ihn Dieter Richter in ausdrücklicher Nähe zum römischen Original auf die Bühne des Theater Lübeck gewuchtet hat.
Das Wandbild ist zwar nicht der antiken Mythologie entliehen, wie im heute als Französische Botschaft genutzten Prachtbau im Stadtteil Regola des Centro storico der Ewigen Stadt; doch auch der gekreuzigte bärtige alte Mann, in dem man den Apostel und Kirchengründer Petrus (oder aber dessen Bruder Andreas) in einem Caravaggio nachahmenden Chiaroscuro erkennen kann, fügt sich harmonisch in diesen imposanten Innenraum. Hier also treibt der Polizeichef von Rom sein Unwesen und lässt die politischen Gegner foltern. Allerdings ist Baron Scarpia in der Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf durchaus auch ein Freund der Musen. Und wie weiland Friedrich der Große greift er selbst zur Querflöte, als die Siegesfeier seiner (Napoleon vermeintlich in die Knie zwingenden) Konterrevolutionäre mit einer Kantate umflort wird, in der eine gewisse Operndiva namens Floria Tosca den Solopart gibt. Als die kühne Sängerin dann vor ihrer dem ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Peter Krause
Ein Drama ist’s, ein gar schauerliches dazu. Und gleich in der ersten Strophe von Heines Ballade «Ritter Olaf» werden die katastrophischen Dimensionen dessen, was danach geschieht, schon in Umrissen deutlich: «Vor dem Dome stehn zwei Männer, / Tragen beide rote Röcke, / Und der Eine ist der König / Und der Henker ist der andere.» Und die dritte, möchte man...
Den Anachronismus jedweder Aufführung von Musik, die mehr als zwei, drei Generationen alt ist, demonstriert verblüffend, irritierend – jedenfalls viele Fragen aufwerfend – der Countertenor Jakub Józef Orliński mit seinem Album «if music…». Unter der Prämisse stilistischer Kohärenz hebt er radikal die Wahl der Mittel auf.
Zunächst scheint die Begleitung eine...
Vor zwei Jahren inszenierte Thorleifur Örn Arnarsson in Bayreuth den «Tristan» in statischen Tableaus und düsteren Rätselbildern. Nun macht er sich in Zürich an den «Tannhäuser» und nimmt auch dieses Werk nicht auf die leichte Schulter. Auch wenn er Tobias Kratzers spritzige Bayreuther Inszenierung einmal zitiert, in der viel gelacht werden konnte, sieht er – wie...
