Problemkind
In gefühlten Es-Dur-Brechungen wallt es «Rheingold»-artig aus dem Orchestergraben herauf. Ein nächtlicher Highway schlängelt sich einer fernen Gebirgssilhouette entgegen. Vorn bricht ein Schwert durch den Asphalt: Excalibur. Ein Cadillac aus den Seventies parkt am Straßenrand. Das Warnlicht blinkt. Ein mittelalter, gedrungener Mann hat den Kopf auf das Lenkrad gelegt. Ein Traum? Ein Unfall? Merlin steigt aus und stellt das Warndreieck vor das Schwert.
Roland Schwab inszeniert Isaac Albéniz’ «Merlin» (1901) im Gelsenkirchner Musiktheater im Revier als Road Movie und schickt seinen Titelhelden auf Zeitreise. Bjørn Waag sieht nicht aus wie ein Königsmacher, eher wie ein zerknautschter Peter Falk auf der Suche nach sich selbst. Erst schmeißt er seine zeternde Freundin Nivian aus dem Wagen und entsorgt sie mit verklebtem Mund im Kofferraum. Dann fährt aus der Versenkung zwischen zwei Hügelkuppen plötzlich keltisch kostümiertes Volk herauf. Artus und Kay erscheinen in Biker-Kluft, Morgan und Mordred, die Versucher böser Fleischeslust, in präraffaelitisch rotem Sündenhaar (Kostüme: Renée Listerdal). David Lynch und «Mad Max», irische Kruzifixe und Dante Gabriel Rossetti, eine gotische ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Boris Kehrmann
Das Kronentor des Dresdner Zwingers im Logo, war die Firma «Barock» der DDR einziger Hersteller von Tinte. Blauschwarz quoll das Zeug über die Hände tapsiger Jungpioniere, die keine gütige West-Tante und damit einen brauchbaren Pelikan-Füller vorweisen konnten. Ambivalent ist Dresdens Verhältnis zum Barock bekanntlich bis heute: Das Bemühen etwa, Kriegswunden im...
Die Zeitgenossen waren sich einig, dass ein Fluch über dieser Oper schwebt. Erst hinderte der Tod den Komponisten Jacques Offenbach 1880 an der Vollendung seiner «Contes d’Hoffmann», dann brannte bei der Wiener Erstaufführung die Hofoper nieder, einige Jahre später auch der Ort der Uraufführung, die Pariser Opéra-Comique. Immer ging wertvolles Aufführungsmaterial...
Das «Opernhaus des Jahres» hat sich zum Saisonstart etwas einfallen lassen: George Enescus
«Œdipe» ist ein aufwändiges Stück, das seine Zuschauer und Zuhörer keinesfalls sofort umarmt. Entsprechend selten sind die Aufführungen. La Monnaie in Brüssel wagt eine Neuproduktion. Seltene Koinzidenz in Baden-Württemberg: In Karlsruhe und Stuttgart sind mit dieser Spielzeit...
