Probebühne Paris

John Eliot Gardiner bürstet an der Opéra Comique «Pelléas et Mélisande» gegen den Strich, Joyce DiDonato und Juan Diego Flórez machen sich im Palais Garnier für «La donna del lago» stark

Ist Paris eine Musikstadt? Sicher nicht im Sinne einer Musikmetropole wie Wien, wo man über­all auf die Zeichen einer in Jahrhunderten gewachsenen, weltweit ausstrahlenden Musikkultur trifft. Paris ist einfach zu groß, zu vielgestaltig in seinen Lebensfunktionen, um der Tonkunst den Vortritt einzuräumen. Gleichwohl begegnet der Musikliebhaber dort einer Fülle hochkarätiger Angebote, wie sie einer Weltstadt anstehen.

Dazu zählt auch die Oper.

Seit den Tagen von Hugues Gall und Gerard Mortier überrascht die Opéra National mit den beiden Häusern Opéra Bastille und Palais Garnier durch eine früher nicht gekannte Stetigkeit des Angebots: Mehr als vierhundert Aufführungen in Oper und Ballett pro Saison sind inzwischen die Norm. Der neue Intendant Nicolas Joël kann darauf bauen. Das städtische Théâtre du Châtelet, das einmal ein ernsthafter Konkurrent der Nationaloper war, hat sich überwiegend der musikalischen Unterhaltung zugewandt, Oper erscheint dort nur noch selten auf dem Spielplan. Dafür besinnt sich die Opéra Comique, auch Salle Favart genannt, nach dem Amüsiertaumel unter Jérôme Savary wieder auf die Gattung und Kunstform «Oper». Jérôme Deschamps heißt der neue künstlerische ...

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Opernwelt August 2010
Rubrik: Im Fokus, Seite 16
von Gerhard Rohde

Vergriffen
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Nummernrevue

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