Prima, eine Donna am Pult
Puccinis «Madama Butterfly» in der bahnbrechenden Inszenierung des mittlerweile verstorbenen Anthony Minghella bildete 2006 den Auftakt der Amtszeit von Intendant Peter Gelb an der New Yorker Met. Angefangen mit Cristina Gallardo-Domâs als Cio-Cio-San hat sich die nach wie vor erfolgreichste Produktion des Hauses als wahre Primadonnen-Schmiede entpuppt und Titelheldinnen wie Patricia Racette, Kristīne Opolais, Ermonela Jaho, Ana María Martínez und Eleonora Buratto hervorgebracht.
In den 16 (!) Vorstellungen dieser Spielzeit (von denen Burratto einige wenige übernahm) gab Aleksandra Kurzak ihr Rollendebüt und Asmik Grigorian ihren Einstand. Kurzak zeigte als Butterfly eine schier unglaubliche Bandbreite an Klangfarben. Ein ergreifendes Rollenporträt. Asmik Grigorian hingegen hatte nur eine Probe auf der Butterfly-Bühne sowie die Nacht ihres Debüts, um sich mit Chad Shelton als Pinkerton abzustimmen. Der Tenor ist ein etablierter Profi, aber seine Stimme hat diese Art von Rolle längst hinter sich gelassen. Zwischen ihm und Grigorian stimmte die Chemie nicht, so dass die Sopranistin, eine geübte Butterfly, sich selbst überlassen schien und, wenngleich kunstvoll, eher monochrom im ...
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Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Panorama, Seite 58
von David Shengold
Blicken wir, nur für eine flüchtige Weltsekunde, zurück und denken dabei an jenen hastig hingehackten Satz, den der frisch geadelte Herr von Faninal im zweiten Akt von Strauss’ «Rosenkavalier» singend ausspricht: «Ein ernster Tag, ein großer Tag, ein Ehrentag, ein heil’ger Tag.» Ein solch denkwürdiges Datum ist auch der 27. April 1784. Tout Paris ist auf den...
Sie sind einander nahe. Sehr nahe: der Tod und das Mädchen. Nur wenige Zentimeter trennen sie, ein winziger synaptischer (Licht-)Spalt, und würde es mit rechten Dingen zugehen, wäre das Spiel, kaum ist die Stille nach den Schüssen eingetreten, vorbei und würde der Tod das Mädchen in seine Arme schließen. Doch kaum hat sich jene Falltür geöffnet, unter der Manuel...
An Rusalka scheiden sich die Geister. Weniger jedoch am Bühnenwerk gleichen Namens, sondern vor allem an dessen Titelheldin selbst, der schüchtern-schönen Schwester Undines und Melusines. Was bitte soll man machen mit einer Nymphe, die man sich heutzutage nur mühsam auf schweren Schwanzflossen über eine Bühne gleitend vorstellen kann? Welches «Bild» wäre wohl...
