Fremde in der Nacht

Bellini: La Sonnambula in der Oper Rom

Opernwelt - Logo

Es läuft nicht immer alles nach Wunsch. Auf dem Papier war es ein Krönungsabend für die Sonnambula unseres Jahrhunderts; ein Abend, der die großen Nachtwandlerinnen der Vergangenheit vergessen machen sollte, von Giuditta Pasta über Maria Callas bis zu June Anderson. Und ja, Lisette Oropesa hat alle Voraussetzungen, um mit den genannten Göttinnen zu konkurrieren. Doch die Aufführung in Rom bereitete der US-amerikanischen Sopranistin noch einige Probleme.

Eine gewisse Nervosität war offensichtlich (und verständlich), vor allem im großen Finale, in dem Bellini die Virtuosität der Protagonistin hervorhebt; vermutlich wird Oropesa bei zukünftigen Aufführungen das Selbstvertrauen und die Ruhe zurückgewinnen, die nötig sind, um Eintritt in die Ruhmeshallen gewährt zu bekommen. Ihr Timbre ist hell, die Technik mehr als solide, und doch klangen einige Passagen rau und wirkte so mancher hohe Ton nicht nur gepresst, sondern schlichtweg zu laut.

Neben Oropresa verbreitete auch John Osborn wenig Glanz: Es kann jedem passieren, dass er nicht den richtigen Abend erwischt, und das war bei dem amerikanischen Tenor eindeutig der Fall – wenngleich vereinzelte Buhrufe am Ende seiner Auftritte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Stefano Nardelli

Weitere Beiträge
Der Meistersinger von Heidelberg

Wer Jobst vom Brandt sagt, muss auch Georg Foster sagen. Letzterer war ebenfalls Komponist, bedeutend wurde er aber vor allem als eine Art Musikmanager der Renaissance: Foster war Liedsammler und -herausgeber; seine fünfteilige Sammlung «Frische teutsche Liedlein» gilt als wegweisend für die Entwicklung des deutschen Liedguts. Die Sammlung umfasst 321 vierstimmige...

Die Welt von unten

Wurzeln überall, auch von oben hängen sie herunter, wir befinden uns mutmaßlich in einer subrealen Unterwelt. Vorne fließt, vom Parkett nur zu ahnen, ein Fluss vorbei, und als schließlich Mélisande, drapiert wie für eine kolorierte Kunstpostkarte, ihr fragiles Leben ausgehaucht hat, wird es gewiss: Es ist Styx, oder Lethe, denn Mélisandes Lebenslicht wird vom Arzt,...

Familienbande

Das erste Bild zeigt eine Amtsstube aus grauer Vorzeit, mit Aktenschränken inklusive staubigen Registern; auf wuchtigen Schreibtischen türmt sich Papier. Emsiges Personal in steifer Bürokleidung des mittleren 20. Jahrhunderts bewegt sich ruckartig, sackt zusammen, richtet sich wieder auf. Dann nehmen die Bewegungen Fahrt auf: Die Frauen wecken erstarrte...