Prager Frühling
Alle reden immer vom Anfang, von jener mythisch überladenen Ursuppe, aus der heraus die Musik zu «Rheingold» erwächst, in erst zarten, dann imposant sich zu überirdischer Schönheit auftürmenden Es-Dur-Wellen emporsteigt. Dabei ist das Ende dieses Musikdramas, mit dem die ganze Götterdämmerung einsetzt (obwohl die Tetralogie ja erkennbar von uns Menschen handelt) weit spannender. Allein die raffinierten harmonischen Verschiebungen bergen erheblichen Reiz.
Den Auftakt macht Erdas pseudophilosophische Weissagung «Alles, was ist, endet» (Ach, wirklich?), die sich aus trübem cis-Moll zu wesentlich hellerem A-Dur aufklart, bevor die Musik durch mehrere, weit voneinander entfernte Tonarten hindurchschlüpft (oder auch mal ruckelt), bis sie schließlich im heilig-versöhnlichen Des-Dur-Hafen anlangt. Ein trügerischer Schluss, denn zuvor, während Wotan in die Riesenburg Walhall einzieht, hat Loge singend den vielleicht entscheidenden Satz gesagt: «Ihrem Ende eilen sie zu, die so stark im Bestehen sich wähnen.»
Darum vor allem geht es im «Ring». Um den Größenwahn von Göttern wie Menschen. Um den fehlenden moralischen Fortschritt. Um mangelhafte (Selbst-)Erkenntnis. All dies zeigt sich im ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Jürgen Otten
Es muss Außergewöhnliches, ja, Einzigartiges anstehen, wenn ein Komponist mitten im Stück nicht nur Tonund Taktart wechselt, sondern dazu noch drei Fermaten und direkt davor ein morendo notiert. Still also muss es sein, nein: sterbensstill, bevor Fritz, der Pierrot, sein Loreley-Lied «Mein Sehnen, mein Wähnen» anstimmt, in geheiligtem Des-Dur und süß-sahnigstem pia...
Willkommen auf Schloss Almaviva!» So flimmert es flammend über den Videoscreen auf einer Wand mit bröckelndem Putz. Wir sind in einem andalusischen Museum, das schon bessere Tage gesehen hat. Konferenzstühle werden hereingeschleppt, man will einem Vortrag über alte Sitten und Gebräuche im einstigen Schloss lauschen. Noch während der Ouvertüre werden die in einer...
Die «glorreichen Sieben» gibt es gleich zweimal. Einmal als Western von John Sturges aus dem Jahr 1960 (die Remakes nicht mitgezählt) und einmal, was für unsere Belange weit wichtiger erscheint, als Liste jener Komponisten, die Philip Herschkowitz verehrte: Bach, Mozart, Beethoven, Mahler, Wagner, Schönberg und Webern. Der Kaiser unter diesen Königen war Beethoven;...
