Immer herrscht der Mann
Willkommen auf Schloss Almaviva!» So flimmert es flammend über den Videoscreen auf einer Wand mit bröckelndem Putz. Wir sind in einem andalusischen Museum, das schon bessere Tage gesehen hat. Konferenzstühle werden hereingeschleppt, man will einem Vortrag über alte Sitten und Gebräuche im einstigen Schloss lauschen. Noch während der Ouvertüre werden die in einer Vitrine ruhenden historischen Ausstellungsstücke präsentiert: Ein Ehevertrag, wie er üblich war im späten 18.
Jahrhundert, eine Nadel, die heimliche Billetts versiegelte, eine weiße Haube mit altrosa Streifen, wie sie typisch war für Kammerzofen.
Der erste Akt von Katharina Thomas Inszenierung spielt in der unmittelbaren Gegenwart; im ehemals gräflichen Schloss zu Sevilla spiegeln sich Mozarts feudale Hierarchien im Machtgefälle heutiger Arbeitsbeziehungen. Johannes Leiackers durch Projektionen raffiniert wandelbarer Einheitsraum erzählt dezent vom Verfall des feudalen Systems, der ominöse Sessel, der in Mozarts «Figaro»-Handlung eine zentrale Rolle als Versteck spielt, ist marode und gerade in Reparatur. Figaro ist heute Haustechniker und hantiert mit der Schraubzwinge am wackelnden Sesselbein, die Kaffeemaschine röchelt, ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Regine Müller
Das Geständnis ist kurz. Kaum zwei Minuten dauert die schwärmerische B-Dur-Arie «Donna non vidi mai simile a questa!», in der Des Grieux mit lakonischen Worten erklärt, dass er noch nie eine solche Frau gesehen habe – und dass er sich ohne Umschweife heillos in sie verliebt habe: «Io t’amo.» Ihre Stimme ist es zuallererst, die ihn im Innersten berührt, dabei hatte...
An Selbstbewusstsein scheint es Barbara Strozzi, der wohl bedeutendsten Komponistin des italienischen Frühbarock, nicht gefehlt zu haben. Denn gleich ihr erstes, 1644 im Druck erschienenes Madrigalbuch eröffnet sie mit einem Sonett in der Hoffnung, «vielleicht als neue Sappho begrüßt zu werden». Als «virtuosissima cantatrice» (so Nicolò Fontei schon 1635 in einer...
Der Teufel turtelt mit einer Nonne. Ein Gartenzwerg, der seine Angel in den Orchestergraben hält, schaut halb neidisch, halb entrüstet zu, wie der Behörnte im feuerroten Wams der Ordensfrau ein ums andere Mal ins Weiche greift. Von bizarrem Humor ist das, in der Darstellung nahezu possierlich, eine Altersempfehlung erst ab 16 Jahren (der «Tannhäuser» läuft in...
