Im Spiegel der Zeit: Sebastian Kohlhepp (Tamino), Arnold Schoenberg Chor; Foto: Theater/Herwig Prammer
Präzedenzfall
Attraktiven Frauen gegenüber sei meist der Mann der Schutzbedürftige, meinte Oscar Wilde. Mag sein, dass Regisseur Torsten Fischer an den gebürtigen Iren dachte, als er sein «Zauberflöten»-Inszenierungskonzept fürs Theater an der Wien entwarf. Darin nimmt Tamino zu Beginn, atemlos und ein bisschen wie Dr. Kimble auf der Flucht, nicht vor einer schrecklichen Schlange Reißaus, sondern vor einer hinreißenden Damenriege, schlank, rank, im langen Schwarzen.
Fischers Exegese scheint auf Genderscharmützel angelegt, selbst am Schluss hat man das Gefühl, dass Tamino und Pamina sich eher pragmatisch arrangieren, als in Leidenschaft zu entflammen, wobei wir im Geiste erneut den Dichter Wilde hören: «Ein Mann kann mit jeder Frau glücklich werden, solange er sie nicht liebt.»
Doch so sarkastisch ist das nicht gemeint. Vielmehr geht es Fischer auf Herbert Schäfers futuristisch-abstrakter, von einem großen, kalten Mond beschienener oder von einer Klagemauer dominierter Bühne – um Überwindung der in dieser Oper erstaunlich intensiven dunklen Energien (Todesdrohungen erklingen allzu häufig in diesem Stück) und das eher sachliche Überführen in eine Welt der Wunschvorstellungen. Jedoch: die pièce de ...
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