Sebastian Byzdra (Erster Gefangener I), Hans-Georg Priese (Florestan), Rainer Stoß (Erster Gefangener II), Anke Berndt (Leonore) und Vladislav Solodyagin (Rocco); Foto: Theater/Falk Wenzel
Keck, kühn, kokett
Sachen gibt’s ... die gibt es nur auf dem Theater. Zum Beispiel in Halle. Dort hockt zu Beginn des zweiten Akts nicht die gefolterte Kreatur im Kerker, sondern Intendant Florian Lutz in grell beleuchtetem Souterrain, auf heißem Stuhl. Nicht er selbst, Zeus bewahre. Doch Hans-Georg Prieses Florestan trägt unverkennbar die Züge und lockige Haarpracht des Hausherrn, wie auch der geschäftige Mann im azurblauen Anzug dem Chefdramaturgen des Hauses, Michael von zur Mühlen, verblüffend ähnelt.
Und noch ein weiterer Herr verzweifelt hier an seinem Tun; vermutlich ist’s der Dritte der Hallenser Davidsbündler, Veit Güssow. Erschossen werden sie, wie Rocco, versehentlich alle; die gute Leonore ist leider nicht besonders geübt im Umgang mit antiken Handfeuerwaffen.
Was das mit «Fidelio» zu tun hat? Mehr, als man zunächst denkt. Auch wenn das Stück nicht mehr so anmutet, wie man es sich gemeinhin vorstellt, und auch nicht die bekannte Sprache spricht (die Dialoge sind ausnahmslos gestrichen), ist es doch Beethovens Oper. Nur sieht sich das Pathos jener fernen Epoche gemildert, der Begriff der Freiheit eigensinnig umgedacht, wenn man so will: verrückt ins Jetzt. Freiheit, das meint hier, ganz ...
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