Müller-Siemens: Die Menschen
Mit seinem Engagement für Zeitgenössisches stieß Aachens scheidender Intendant Paul Esterhazy auf unterschiedliche Reaktionen. Als Dramaturg begleitete er die Mannheimer Uraufführung von Detlev Müller-Siemens’ «Menschen» und hat das Werk jetzt nach Aachen geholt. Ein «harter Brocken», nimmt das Werk doch radikal Abschied von Traditionen. Der Komponist spricht sich sogar hasserfüllt gegen die Literaturoper aus und fordert eine Rückkehr zur «zersplitterten Ursprungssituation» bei Monteverdi. Dennoch bezeichnet er «Die Menschen» als Oper.
Walter Hasenclever, gebürtiger Aachener, gehört zu den Galionsfiguren des Expressionismus (später schrieb er freilich Komödien). Sein Drama (1918, also vier Jahre nach dem Erfolg des «Sohnes», verfasst) sucht unter völligem Verzicht auf Handlungslogik Erkenntnisse freizusetzen über Flüche, die lastend auf dieser Welt liegen. Mit der eruptiven, kaum je zu einem vollständigen Satz findenden Sprache Hasenclevers sieht Müller-Siemens seine rabiate, ekstatisch hochwirbelnde Musik (ausgeführt allerdings von einem weitgehend traditionell besetzten Orchester) quasi seelenverwandt. Nur selten entspannt sich das Klanggeschehen. Dirigent Jeremy Hulin hat ...
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Die Rolle ist der Traum jedes Tenors und der Alptraum jedes Intendanten: Vermutlich gibt es derzeit selbst in der A-Klasse der Tenöre keinen Manrico, der aus dem diskografischen Schatten Franco Corellis oder des jungen Domingo heraustreten könnte. Auch für Zoran Todorovich, der sein Repertoire und seine Stimme in den letzten Jahren durch Rollen wie Pollione und Don...
Wer redet eigentlich von Michael Schade, wenn es um Anna Netrebkos Debüt als Donna Anna in Mozarts «Don Giovanni» bei den Salzburger Festspielen 2002 geht? Ohne die Zärtlichkeit und Intensität, mit der er als Don Ottavio vergebens um seine Braut kämpfte, aber auch ohne Martin Kusejs kühne Deutung von Liebesunfähigkeit und Todessehnsucht, ohne seine Darstellung...
Es sei ja schön, dass der neue Papst Klavier spielen könne, sagte Karlheinz Stock-hausen kürzlich in einem Interview. Noch schöner wäre es freilich, wenn Benedikt XVI. «Fortschritte machen und auch meine Klavierstücke spielen würde, anstatt nur Bach und Beethoven». Das ist weniger preziös, als es klingt. Stockhausen ist ein Papst der klingenden Moderne und zugleich...
