Der Schurke als Tenor

Venedig, Donizetti: Pia de’ Tolomei

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Nach Donizettis Dogendrama «Marin Faliero», das vor zwei Jahren im venezianischen «Teatro Malibran» zu neuem Leben erweckt wurde, hat sich das «Teatro La Fenice» nun der ebenfalls halbvergessenen «Pia de‘ Tolomei» angenommen – eine weitere Trouvaille. Im Jahr 1836 bei Donizetti und dem neapolitanischen Routinelibrettisten Cammarano in Auftrag gegeben, sollte dieses todtraurige Rührstück nach einer Episode aus Dantes «Purgatorio» im Karneval 1837 auf die feniceische Bühne kommen.

Doch ein Brand des Opernhauses im Dezember davor – der Wiederaufbau dauerte damals übrigens nur wenige Monate – zwang die Theaterleitung, die Uraufführung ins weniger renommierte Teatro Apollo zu verlegen. Der Dante-Kenner Donizetti war zum damaligen Zeitpunkt von allen italienischen Opernhäusern heftig umschwärmt, und doch musste er sich eine Auflage gefallen lassen, die zwar der Musikgeschichte manche wundervolle Note und eine ausnehmend anmutige Cavatina bescherte, der entwicklungsarmen Dramaturgie des Stückes jedoch nicht den nötigen Schub gab: Opernpräsident Berti verlangte unmiss­verständlich – gewissermaßen als eine besondere Art der Nachwuchsförderung – eine Partie für seine Mät­resse, die junge ...

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Opernwelt Juni 2005
Rubrik: panorama, Seite 46
von Birgit Pauls

Vergriffen
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