Postlagernd

Mark-Anthony Turnages «Greek» und die Fidelio-Installation «[catarsi]» in der «Festspiel-Werkstatt» in München

Am besten funktioniert noch immer das Original. Auch wenn es wie hier eine Reduktion ist von Beethovens Arie auf Florestans schmerzvolle Gesangslinie, gestützt von einem dürren, solistisch besetzten Instrumentalgerüst. Sein Schrei nach dem «himmlischen Reich» beendet diese 70 Minuten, die so etwas sind wie «Fidelio 2.0». Eine musiktheatralische Untersuchung der Kraftfelder dieser Handlung, ein Forschen nach echtem, geraubtem oder virtuellem Gefühl. Immer wieder wetterleuchtet Beethovens Oper auf, gesungen, gespielt, verfremdet, fragmentiert.

Eine bewegte, nicht sonderlich bewegende Installation mit dem Namen «[catarsi]», für die Münchens Opernfestspiele in den Postpalast unweit des Hauptbahnhofs bitten.

Dabei darf man auch die Eingeweide des Gebäudes erkunden: Nach einem Gang durch dunkle Kellerflure geht es in den großen Raum unter der Kuppel, wo das Musiktheaterkollektiv Agora, Dirigent Benedikt Brachtel samt den Solisten Laura Tatulescu, Alban Lenzen und Kristofer Lundin (vor allem er lässt aufhorchen) ihre «Fidelio»-Splitter reichen.

Das ehemalige Paketzustellamt aus den 1920er-Jahren ist heute Raum für Events – von Rockkonzerten bis zur FC-Bayern-Meisterfeier. Die Bayerische ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Markus Thiel

Vergriffen
Weitere Beiträge
Kulissenzauber

Wenn Anna Netrebko am Mariinsky auftritt, ist nichts wie sonst. Die Kartenpreise schießen in die Höhe: Mehr als 300 Euro kosten die besten Plätze, derzeit ein durchschnittliches Monatsgehalt in Sankt Petersburg. Stehende Ovationen sind vorprogrammiert, unter einer halben Stunde geht es selten ab. Und während die Besucher sonst auf jedweden dress code pfeifen,...

Kollateralschäden

Das Größte an dieser letzten zu Lebzeiten des Komponisten aufgeführten Tragédie sei die Musik, sagt Christian Curnyn, der – nach seinem Hausdebüt mit «Castor et Pollux» – zum zweiten Mal als Rameau-Spezialist an die Komische Oper engagierte Gastdirigent aus England. Wohl wahr. Die schwirrende Harmonik, die klanglichen Kontraste, das Vexierspiel der Instrumente, der...

Was kommt... August 2017

Festivals
Sommerzeit ist Festspielzeit. Von Salzburg bis Santa Fe, von Bregenz bis Bayreuth, von Glyndebourne bis Grange Park, von Aix-en-Provence bis Savonlinna, von Martina Franca bis Mörbisch brummt der Festivalbetrieb

Pavol Breslik
Angefangen hat er als Bariton. Doch längst zählt er zu den interessantesten Tenören der Opernszene, ist nach wie vor der Tamino vom...