Pontifex maximus
Geschlossene Gesellschaft, ein Zirkel nur für Eingeweihte. Nichts jedenfalls für Dilettanten und den Plebs. Auch weil diese Versuchsanordnung im Gonzaga-Palast weniger Kulinarik als intellektuelle Befriedigung versprach. Ein neues Genre galt es schließlich in Mantua zu beobachten und zu feiern, das sich am 24. Februar 1607 im «L’Orfeo» materialisierte und manifestierte. Vor diesem Hintergrund ist die Nachschöpfung hochauthentisch, «historisch informiert», wenn man so will: das Orchester auf der Bühne, gerahmt von einem Laufsteg für die kostümierten Solisten.
Und mittendrin ein Hocker für den Prinzipal – Monteverdis Theatralik, so dieser überwältigende Beweis, braucht keine Maschinen, keinen Zierrat.
«Halbkonzertant», diese Einordnung gilt daher nur bei oberflächlicher Betrachtung, wo der singende, spielende, interagierende Mensch zur Hauptsache wird. Ob «L’Orfeo», «Il ritorno d’Ulisse in patria» oder «L’incoronazione di Poppea»: Stets bewahrte John Eliot Gardiner dieses Grundkonzept für seine weltweit akklamierte Monteverdi-Tournee. Gestartet wurde in Aix-en-Provence, weitere Stationen waren unter anderem Venedig, Luzern, Berlin, New York und Salzburg. Es war Gardiners größtes ...
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Klassisch und nahezu dogmatisch argumentiert: Maler haben auf der Bühne nichts zu suchen. Malerei ist zweidimensionale Raumkunst, Theater dreidimensionale Zeitkunst. Beides zusammengespannt, verträgt sich schlecht. Das letzte Wort in dieser Sache?
In der Praxis drängten sich immer wieder andere Gesichtspunkte als Misslichkeiten vor. Ob Oskar Kokoschkas Entwürfe...
Im altgriechischen Theater war die Verschmelzung von gesprochenem Wort und (improvisierter) Musik selbstverständlich. Drama und Melos, Text und Klang, Sprechen und Singen agierten gleichsam auf Augenhöhe. Erst unter dem Einfluss der durchkomponierten Oper begannen sich die Gewichte zu verschieben: «Prima la musica, poi le parole» – der Titel des Einakters von...
Die Inszenierungen, in denen sie auftrat, besaßen wenig oder gar keine Sprengkraft. Umso mehr durfte man sich an der vokalen Virtuosität erfreuen, die Anna Netrebko versprühte – als Maddalena di Coigny im Mailänder «Andrea Chénier», wo sie für «die einsam hohe Kunst der cremigen Phrasierung, hell-licht schwebende Spitzentöne, glühende Piani und gutturale...
