Pluralistischer Zeitgeschmack
Ein erstaunliches Ritual ereignete sich am 24. Dezember des Jahres 1907 in einem unter-irdischen Gewölbe des Palais Garnier, der Pariser Opéra: Eine Gruppe vornehm gekleideter Würdenträger deponierte dort an entlegener Stelle zwei topfartige Gefäße, in die man 24 Schallplatten mit Aufnahmen bekannter Sänger und Instrumentalisten dieser Zeit versenkt hatte, «Urnen», die erst nach 100 Jahren wieder geöffnet werden sollten. Zwei weitere Gefäße wurden 1912 hinzugefügt, dazu noch ein Grammophon samt Gebrauchsanleitung und einigen Abspielnadeln – klingende Botschaften an die Nachwelt.
Zwei Ziele verfolgte man – offiziell – mit dieser bemerkenswerten Aktion: Zum einen wollte man den Stand der Aufnahmetechnik im frühen 20. Jahrhundert dokumentieren, zum anderen sollte die Auswahl der Aufnahmen vor allem eine Bestandsaufnahme der besten Sänger der Zeit und ihrer Interpretationen sein. Ein weiteres – inoffizielles – Ziel bestand in dem Werbeeffekt der Aktion, die der Stifterin der Schallplatten, der Grammophone Company, eine außerordentliche Beachtung in der Öffentlichkeit bescherte.
Vor zwei Jahren ist die Hundertjahresfrist abgelaufen, und man hat sich im Keller der Opéra der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein Sensationserfolg. Als Bruno Walter im Dezember 1920 Walter Braunfels’ Aristophanes-Oper «Die Vögel» dirigierte, ahnte niemand, dass allein die Münchner Uraufführungsproduktion innerhalb von zwei Jahren 50-mal auf dem Spielplan stehen würde. Kein Wunder, dass das Stück ganz oben auf der Liste von Musikern steht, die sich für die Wiederentdeckung und...
Das schöne, wilde Tier reizt unablässig Theater und Regisseure. Direkt nach Calixto Bieitos exzessiver Strip- und Seelenorgie in Basel folgten zwei weitere Inszenierungen: an der Opéra de Lyon und am Staatstheater Wiesbaden, wo «Lulu» anspruchsvoll die Maifestspiele eröffnete.
Im Vergleich der Aufführungen könnte man sagen: Mit Bergs «Lulu», die natürlich auch...
Auch in seiner italienischen Heimat wird Ottorino Respighi als Opernkomponist nur am Rande wahrgenommen. Für das deutsche Publikum ist er in erster Linie der Schöpfer der sinfonischen Rom-Trilogie, die immer wieder in den Konzertprogrammen auftaucht. Seine durchaus bühnenwirksamen Opern «Belfagor», «La campana sommersa» (nach Gerhard Hauptmann) und «La fiamma»...
