Fremd im eigenen Land
Heute wissen wir, dass uns der Atem geraubt worden ist – und zusammen mit dem Atem das Vertrauen, dass bessere Tage der Zivilisation kommen könnten.» Mit Trauer und Wut holt Salvatore Sciarrino im Partitur-Vorwort zu seiner neuen Oper «La porta della legge» gegen das System Berlusconi und seinen kulturellen Kahlschlag aus.
«Wenn ihr eines schönen Tages entdeckt, dass die Kultur, die mutigsten Projekte umsonst sind; […] wenn es euch scheint, als nähmet ihr bloß Teil an einer höhnischen Inszenierung – was geschieht dann in eurem Leben?»
Die Konsequenz für Sciarrinos Leben ist klar. Seine musikalischen Konzepte und Visionen erreichen kaum mehr die Landsleute, obwohl sie der italienischen Kultur von zwei Jahrtausenden emphatische Reverenz erweisen. Sciarrinos Werke fürs Musiktheater kommen nicht in Mailand, Rom oder Neapel auf die Bühne, sondern in Schwetzingen, Wuppertal, Mannheim. Natürlich spiegeln diese Uraufführungsorte auch das Vertrauensverhältnis zum Opern- und Festivalleiter Klaus-Peter Kehr, der Sciarrinos Bühnenwerke seit den neunziger Jahren propagierte.
Mit seiner Zivilisationskritik gibt uns Sciarrino eine konkrete Lesart seiner neuen Oper an die Hand, die freilich weder ...
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