Plurale Identitäten

Mehr als nur konservativ: Wer war Felix Weingartner?

Opernwelt - Logo

Bescheiden war Felix Weingartner, Edler von Münzberg, kaum – auch wenn er das «von» und damit den Hinweis auf seine adelige Herkunft schon bald aus dem Namen strich. Geboren wurde er 1863 in Dalmatien, rechnete sich zur stolzen k. u. k.-Elite. Er beschäftigte zeitlebens Dienstpersonal, fühlte sich, während das Kaiserreich gerade im Ersten Weltkrieg zerbrach, am Genfer See besonders wohl, heiratete fünf Frauen, von denen die letzte seine Enkelin hätte sein können.

Vor allem beglückte er die Welt mit seinen Werken, darunter zehn Opern (über Themen wie «Kain und Abel»), sieben Symphonien, weitere Orchesterwerke, Kammermusik. Nebenbei entstand über Jahrzehnte ein fünfteiliger Dramenzyklus für die Sprechbühne: «ein Festspiel in reiner Form», so die Selbsteinschätzung. Einem musenfernen Publikum wurde Weingartner als esoterisch angehauchter Schriftsteller bekannt, Musikfreunde dagegen verachteten ihn lange als den Mann, der Gustav Mahler an der Wiener Staatsoper nachfolgte und dessen Hinterlassenschaft als «zerrissenen Rock» bezeichnete. Weingartner war vieles: Komponist, Kapellmeister, Operndirektor, Pianist, Regisseur, Autor, Lehrer, Philosoph, Herausgeber, Bearbeiter. Aber wer und was ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2010
Rubrik: Medien/Buch, Seite 33
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Nachhaltig

Leipzig hält seinen Bach hoch, Halle seinen Händel – alles bekannt. Doch keine mitteldeutsche Stadt hat wohl so viel Grund, sich an einem barocken Komponisten aufzurichten, wie Magdeburg an Georg Philipp Telemann. Denn woher soll das Bewusstsein für die eigene Vergangenheit, soll eine Identität kommen in dieser von Krieg und DDR-Kahlschlagplanung ruinierten Stadt,...

Im spirituellen Kraftfeld

Es ist ganz normal, dass ein Werk mit sakralem Inhalt in einem sakralen Raum uraufgeführt wird. Dennoch haftete der Premiere von Wilfried Hillers «Der Sohn des Zimmermanns» etwas Besonderes an: Das Auftragswerk der Abbé-Vogler-Musikstiftung wirkte im Kiliansdom auch deshalb ergreifend, weil es punktgenau überging in das um 21.20 Uhr anhebende Glockengeläute zum 65....

Alternative Avantgarden

Mit Hermann Wolfgang von Waltershausens «Oberst Chabert», 1912 in Frankfurt/M. uraufgeführt und über 100-mal von London (Covent Garden) bis New York (Met), Stockholm, Wien, Prag und Riga nachinszeniert, endet der Ausgrabungszyklus der Ära Kirsten Harms an der Deutschen Oper Berlin. Alternative Avantgarden nach 1900 wurden hier vorgestellt: neuartige...