Weniger wäre hier mehr
Zuverlässig im Halbjahrestakt schreitet Opera Rara mit seiner Gesamtaufnahme von Donizettis Sololiedern voran. Seit wenigen Wochen liegen die Teile 5 & 6 vor. Das ambitionierte, auf acht Alben angelegte Projekt dürfte also im kommenden Jahr zum Abschluss gelangen. Als Sängerin brilliert diesmal Ermonela Jaho. Ihr wurden vom Produktionsteam sowohl 18 Lieder in italienischer als auch 19 in französischer Sprache zugedacht. Wieder einmal kann man sich nur begeistern an erlesenen Beispielen von Donizettis vielseitiger Liedkunst.
Etwa an «Les billets doux», einer Klage, in der die Briefe eines untreuen Liebhabers dem Feuer überantwortet werden. In «La mère et l’enfant» erfahren wir, wie im bitterkalten Winter das Kind einer Bettlerin verhungert. «Le bal masqué», ein Drama en miniature, lenkt den Blick auf eine junge Frau, die entdeckt, wie sich ihr Partner in der gegenüberliegenden Loge des Opernhauses mit einer neuen Eroberung vergnügt.
Unter den italienischen Liedern fasziniert eine sehr freie Nachdichtung von Goethes Ballade «Der Fischer» mit ihren harschen Stimmungswechseln. Eine anrührende Klage auf Bellinis Tod – für Maria Malibran auf ein Gedicht Andrea Maffeis, des späteren ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Medien, Seite 32
von Anselm Gerhard
Wie sich die Bilder gleichen. Wenn sich im Jugendstiljuwel des Lübecker Theaters Karola Sophia Schmid als Sophie und Frederike Schulten als Octavian mit einer nachgerade huldvollen Verbeugung jenem aromatisch aphrodisierenden Gewächs (und damit erstmals auch einander) zuwenden, scheint in der Neuinszenierung jene ikonisch gewordene Rosenüberreichung erneut auf, die...
Wie ein warmer Sonnenstrahl liegt die Sopranstimme von Eleonora Buratto, der «Sängerin des Jahres», über Orchester und Gesangsensemble in Giuseppe Verdis Komödie «Falstaff». Einst war sie Nannetta, eine Teenagerin, die ihre erste große Liebe erlebt und sich den Heiratswünschen ihres Vaters widersetzt. In dieser Rolle wurde Buratto 2013 bei den Salzburger...
Alles, was wir verstehen, ist nichtig, und groß und bedeutungsvoll allein, was wir nicht begreifen» – Tolstois Bekenntnis zum Irrationalismus dürfte heutzutage nur noch wenig Zustimmung ernten, in Bezug auf den «Don Giovanni» ist seine Ansicht aber nicht so leicht von der Hand zu weisen. Sollte die singuläre Größe dieser Oper tatsächlich darauf beruhen, dass...
