Personen im Gleis
Der Siegeszug der Eisenbahn hat im Musiktheater bemerkenswert schmale Spuren hinterlassen – anders als in der absoluten Musik, man denke nur an Arthur Honeggers «Pacific 231«, ganz zu schweigen von Film und Literatur, wo Bahnhöfe als Orte der Sehnsucht und dramatischer Wendungen spätestens seit Tolstoi gesetzt sind, und von der Pop-Musik, in der (Sonder-)Züge nach Nirgendwo fahren oder nach Pankow. Immerhin bei Ernst Kreneks Jazzoper «Jonny spielt auf» spielt wenigstens eine ganze Szene auf dem Bahnhof, mit unzufriedenen Zugreisenden und sogar einem Eisenbahnunglück.
Seit Mitte Oktober gibt es nun endlich ein Bühnenwerk, das ausschließlich an einer Bahnstation spielt, in nicht näher bestimmter, aber offenbar sehr weit zurückliegender Zeit, an einem Ort namens Alpos, einem fiktiven Zwergfürstentum im Herzen Europas.
Sein Schöpfer, der Komponist Krzysztof Meyer, war Schüler von Penderecki, Nadia Boulanger und Lutosławski, zudem Assistent von Schostakowitsch, dessen Biografie er schrieb und von dessen unvollendeter Oper «Der Spieler» er den dritten Akt komponierte. An der Kölner Musikhochschule bekleidete Meyer außerdem lange Zeit eine Professur für Komposition. Der Schriftsteller ...
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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Regine Müller
Authentizität ist ein schwieriger Begriff in kulturellem Kontext. Wagners «Fliegender Holländer» am Wasser vor vorübersegelnden Schiffen, «Die Meistersinger von Nürnberg» unter der Nürnberger Kaiserburg, Rossinis «Barbier» nicht nur von Sevilla, sondern sogar in Sevilla … - als Marketinginstrument mag das immerhin gelegentlich funktioniert haben. Oder soll es doch...
Gelegentlich wurde Kurt Moll im Zusammenhang mit seinem Familiennamen nach Kalau gebeten – etwa mit der Behauptung, dass der Name «Dur» dem weitgehend heiteren Wesen des Sängers adäquater gewesen wäre. Moll nahm dies mit nachsichtigem Schmunzeln, unterstrich damit die humorvolle Grundtönung seiner Lebensdisposition. In der Tat war das Glas bei ihm meist halbvoll;...
Es ist kurz vor eins, die Sonne bricht sich soeben durch die Wolken (aber das wissen wir erst später), da geschieht das Unumgängliche: der berühmte Kafka-Moment. Tränen auf der Leinwand, Tränen im Jeremy Hynes Theatre. Man kann weder das eine noch das andere verhindern. Aber was ist das auch für ein Film, dessen Ende so berührend, dessen Geschichte aber so grausam...
