Schwarze Larven
Warten, schon während des Einlasses. Zwei ältere Frauen vorn, ins Publikum blickend, zwei jüngere hinten, abgewandt auf den Prospekt einer nächtlichen Stadt schauend. «Nach Moskau, nach Moskau!», würden sie wohl rufen, wären sie Tschechows drei Schwestern und nicht nur die beiden aus Tschaikowskys «Eugen Onegin». Doch in Roland Schwabs Inszenierung am Staatstheater Augsburg bleiben nicht allein die Lichter der Großstadt ein Traum für Tatjana und Olga – jede Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft überhaupt ist reine Utopie.
Mit einer doppelten Verschalung aus weißen Holzplanken hat Bühnenbildner Piero Vinciguerra die Ersatzspielstätte im Martini-Park nach oben wie unten abgeschlossen: eine abgeschottete Veranda, ein Schiffsbauch möglicherweise, in jedem Fall aber ein (schönes) Gefängnis. «Seelen im Close-up» will Schwab laut Programmheft zeigen und schließt den knackig singenden Chor des Augsburger Theaters deshalb weitgehend von der Szene aus. Reiner Klang bleibt die bäuerliche Freude im ersten Akt, zu Tatjanas Namenstag im zweiten erscheinen nur Dämonen. Selbst das Fest in St. Petersburg ist eine starre Versammlung schwarzer Larven, bei dem ein riesiger Kronleuchter einen Rest von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Michael Stallknecht
Musentempel
Es ist eine stolze Zahl: Seit der Gründung des New National Theatre Tokyo im Februar 1997 hat das Haus 650 Produktionen auf die Bühne gebracht, in den Sparten Oper, Zeitgenössischer Tanz und Schauspiel. Nun kommt am NNTT Verdis Drama «Simon Boccanegra» heraus, Regie führt Pierre Audi. Welche Philosophie dahintersteckt?
Wir fragen nach
Wegbereiter
Mit...
Glucks letzte für Paris geschriebene Oper «Écho et Narcisse» war nach fünf vorausgegangenen Triumphen ein schneidender Misserfolg. Das am 24. September 1779 an der Académie Royale de Musique uraufgeführte Drame lyrique entsprach so gar nicht den Erwartungen, mit denen man vier Monate nach der triumphalen Premiere von «Iphigénie en Tauride» einem neuen Werk des...
JUBILARE
Christopher Robson, 1953 im schottischen Städtchen Falkirk geboren, gilt als einer der Pioniere und bedeutenden Vertreter des Countertenor-Gesangs. Seit seinem Debüt an der English National Opera (ENO) in Monteverdis «L’Orfeo» interpretierte er dort in 17 Jahren zahlreiche Rollen vom Barock bis zur Moderne, unter anderem Arsamene in Händels «Ser -se»,...
