Parlando con Sordino
Man müsse, schrieb der Dichter Charles Baudelaire 1851 in einem Aufsatz über Pierre Dupont, den populären Chansonnier der 1848er-Revolution, «ein Werk sich anverwandeln, um es recht auszudrücken». Der Bariton Laurent Naouri hat sich diese Devise zu eigen gemacht, wenn er jetzt eine CD vorlegt, auf der er französische Lieder von Gabriel Fauré, Claude Debussy und Francis Poulenc singt und dabei die Texte so deklamiert, als wären es Chansons.
Sänger wie Jane Bathori, Vanni Marcoux, Pierre Bernac oder Hugues Cuénod, in jüngster Zeit Natalie Dessay und Philippe Jaroussky haben es schon immer verstanden, ihrem Vortrag einen Schuss Music Hall beizumischen, und das Œuvre Poulencs, des letzten Großmeisters der Mélodie, wäre ohne die Musik und den kommunikativen Vortragsstil der Cafés-concerts gar nicht denkbar.
Naouri geht einen Schritt weiter als sie alle. Er schminkt sich den klassischen Gesang fast ganz ab und sucht den beiläufigen, gedämpften, wie vor sich hin gesungenen und an ein Selbstgespräch erinnernden Ton – gleichsam ein Parlando, aber con sordino. Sein Ziel, so legt er es im Booklet dem Hörer «dans la confidence», «im Vertrauen» also, nahe, ist das direkt ins Ohr gehende intime ...
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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Uwe Schweikert
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