Klassenkampf in der Aristokratenküche

Lohnende Wiederentdeckung: Mieczyslaw Weinbergs «Masel Tov! Wir gratulieren!» in Düsseldorf, pfiffig umgesetzt von Philipp Westerbarkei und Ralf Lange

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Bevor für mindestens einen Monat alle Türen schlossen und sich kein einziger Vorhang mehr öffnete, mussten wir sehr schnell noch einmal in die Oper, und, der Zufall wollte es so, aus einem schönen Anlass. In Düsseldorf gibt es ein Werk, das kein Mensch kennt, das grandios schöne Momente hat und das von einem Komponisten stammt, der mit einem anderen Stück berühmt wurde.

Vor einigen Jahren fand die Oper «Die Passagierin» des jüdischen-polnischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg (1919 bis 1996) den Weg in die Welt, und die Geschichte der KZ-Aufseherin, die an Bord eines Passagierschiffs eine ehemalige Gefangene wiederzuerkennen glaubt, rührte bei den Bregenzer Festspielen seinerzeit alle Zuschauer bis ans Herz.

Jetzt lernen wir Weinberg in der Rheinoper von einer anderen Seite kennen: von seiner humoristischen und ironischen. Ähnlich wie sein Freund und Förderer, der russische Komponist Dmitri Schostakowitsch, webt er in «Masel Tov! Wir gratulieren!» satirische Elemente ein, Persiflage und Slapstick, zitiert alle möglichen Stile und Tanzformen. Eine Klezmer-Melodie lugt wehmütig um die Ecke, Jiddisches feiert fröhliche Urstände. Und wer Schostakowitschs Symphonien kennt, wird hier, ...

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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Wolfram Görtz

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