Klassenkampf in der Aristokratenküche
Bevor für mindestens einen Monat alle Türen schlossen und sich kein einziger Vorhang mehr öffnete, mussten wir sehr schnell noch einmal in die Oper, und, der Zufall wollte es so, aus einem schönen Anlass. In Düsseldorf gibt es ein Werk, das kein Mensch kennt, das grandios schöne Momente hat und das von einem Komponisten stammt, der mit einem anderen Stück berühmt wurde.
Vor einigen Jahren fand die Oper «Die Passagierin» des jüdischen-polnischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg (1919 bis 1996) den Weg in die Welt, und die Geschichte der KZ-Aufseherin, die an Bord eines Passagierschiffs eine ehemalige Gefangene wiederzuerkennen glaubt, rührte bei den Bregenzer Festspielen seinerzeit alle Zuschauer bis ans Herz.
Jetzt lernen wir Weinberg in der Rheinoper von einer anderen Seite kennen: von seiner humoristischen und ironischen. Ähnlich wie sein Freund und Förderer, der russische Komponist Dmitri Schostakowitsch, webt er in «Masel Tov! Wir gratulieren!» satirische Elemente ein, Persiflage und Slapstick, zitiert alle möglichen Stile und Tanzformen. Eine Klezmer-Melodie lugt wehmütig um die Ecke, Jiddisches feiert fröhliche Urstände. Und wer Schostakowitschs Symphonien kennt, wird hier, ...
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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Wolfram Görtz
Don Juans musikalische Bühnenkarriere begann bereits 100 Jahre vor Mozart mit der 1669 im Privattheater der Adelsfamilie Colonna uraufgeführten Oper «L’empio punito» («Der bestrafte Gottlose») von Alessandro Melani (1639–1703), der seit 1667 als Kirchenkomponist in Rom wirkte. Mit ihrer deftigen Komik und expliziten Erotik ist Melanis Dramma per musica noch...
JUBILARE
Ernst Krenek war sauer. Stocksauer. Da hatte doch dieser unverschämte junge Regisseur am Staatstheater Darmstadt 1978 sein heiliges Werk «Karl V.» so unbotmäßig und radikal gekürzt, dass der Schöpfer es kaum mehr wiedererkennen mochte. Wütend also suchte der eigens aus den Vereinigten Staaten von Amerika angereiste Komponist das Weite und produzierte damit...
In anderen Zeiten würde man vermutlich die «Meistersinger» spielen: als kraftvolle Eigenbespiegelung, als selbstbewussten bis selbstgewissen Diskurs über eine prinzipiell ungefährdete Kunst – obgleich, gottlob, die (Regie-)Zeiten vorbei sind, als man der Deutschen Festoper von der finalen halben Stunde her gedachte. Doch die Verhältnisse sind so: Dass sich Berlin,...
