Paradise Lost

Drei Uraufführungen, drei ästhetische Strategien, drei Rückgriffe auf Literatur: Aribert Reimanns «Medea» an der Wiener Staatoper, Johannes Kalitzkes «Die Besessenen» im Theater an der Wien, Peter Eötvös’ «Tragödie des Teufels» an der Bayerischen Staatsoper. Und die kleinen Häuser der Metropolen ziehen mit.

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Es beginnt ruhig. Bassflöte, Bassklarinette und Fagott spinnen eine leise, dunkel getönte Melodie: e – e – d – e – a. Wie ein Engramm eröffnet sie Aribert Reimanns neue Oper. Was da klingt, ist der Name der Titelheldin: Medea (wobei das M als mi=e gilt). Ein fallender Ganzton und eine aufsteigende Quart prägen die Bewegung. Später kommt eine fallende Terz dazu. Durch das ganze Stück zieht sich dieses Thema und verändert dabei stets seinen Charakter. Wenn Medea sich ihrer Rivalin Kreusa zu erkennen gibt, wird daraus ein selbstbewusst-energischer Aufschwung.

Kreusa, die Königstochter von Korinth, wird Medeas Kinder einlullen und die Mutterrolle für sich beanspruchen. Ihr Vater wird Medea als fremde Zauberin ausgrenzen und des Mordes verdächtigen. Und auch Medeas Mann, der opportunistische Feigling Jason, wird sich von ihr abwenden. Im Moment ­tiefster Erniedrigung findet sie sich: «Ihr gabt mir auch mich selbst. Medea bin ich wieder». Jetzt ist ihr Thema ein fortissimo herausgeschleuderter, in Quintolen zuckender Schrei. Gleich wird Medea das Einzige und Entsetzliche tun, was ihr zu tun bleibt: ihre Kinder «den Göttern senden», statt sie Feinden zu überlassen. Doch mit der ...

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Opernwelt April 2010
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Stephan Mösch

Vergriffen
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