Vom Suchen und Finden der Triebe
Es ist gewissermaßen eine Annäherung von zwei Seiten. Franz Schrekers «Der ferne Klang», ein Überraschungserfolg von 1912, der den Komponisten aus dem Nichts an die Spitze der Aufführungsstatistik katapultierte. Und seine letzte vollendete Oper «Der Schmied von Gent», die bei der Uraufführung 1932 «Jude raus»-Rufe provozierte. (Da sollte Franz Schrekers tödlicher Schlaganfall nur noch zwei Jahre entfernt sein.) Beide Stücke erlebten jetzt Neuproduktionen – und das keineswegs an reichen Musentempeln. «Schreker-Renaissance»? Der Begriff gaukelt ein Entdeckungs-Crescendo vor.
Eigentlich passiert alles eher punktuell. Und dabei wiederholt sich seit drei Jahrzehnten immer dieselbe Erfahrung: Publikum und Kritik sind begeistert, doch die Anstrengungen versickern. Fürs Dauer-Repertoire greift man dann doch lieber zu Strauss & Co.
Nun also Chemnitz und Augsburg. Jedes der beiden Häuser fügt unserem Schreker-Bild auf seine Weise einen dicken Mosaikstein hinzu. Dass die Chemnitzer mit dem «Schmied von Gent» die Nase vorn haben, liegt am dankbareren Stück. Der flämische Titelheld Smee geriert sich im Gent des 16. Jahrhunderts als trickreicher Widerständler gegen die spanische Besatzung, kommt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Kunst gilt’s – aber einer neuen, jungen Kunst. Freiheit und Aufbruch heißen die Schlagwörter. Reglementierte Traditionen haben ausgedient. Und diese Traditionen machen diejenigen, die an ihnen festhalten, zu einsamen Menschen, die schließlich an ihren eigenen Prinzipien (ver)zweifeln. So könnte der Tenor der aktuellen Neuproduktionen der «Meistersinger» in...
Wandernde Produktionen sind das tägliche Geschäft einer Landesbühne. Doch Wagners «Ring» im Gepäck? Geht das? Das Landestheater Detmold geht damit ein singuläres Projekt an, das an den europaweit mit Sonderzügen auf die Reise geschickten «Ring» Angelo Neumanns in den 1880er Jahren denken lässt, ohne dass damit ein Vorbild oder gar ein Vergleichsobjekt benannt wäre....
Es war keine schlechte Überraschung: 2004 outete sich Edita Gruberova in Donizettis «Roberto Devereux» als Darstellerin. Das Ereignis fand an der Bayerischen Staatsoper statt. Fünf Jahre später folgte dort mit ihrem Lieblingsregisseur Christof Loy «Lucrezia Borgia», und die Schraube ist quasi noch weiter gedreht: Fast nichts mehr «stört» nun die von allem Zierrat...
