Paradis artificiels
Es muss ihm wie ein Traum vorgekommen sein. Schon ein Greis war Gustave Charpentier, als die Opéra-Comique in Paris anlässlich des 50-jährigen Bühnenjubiläums seiner «Louise» eine neue Inszenierung durch den französischen Maler Maurice Utrillo vorbereitete, die gut und gern unter dem Motto «1000 Mal berührt, und stets ist etwas passiert» hätte stehen können. Denn nicht allein die unverhohlene Hommage an die zauberische Hauptstadt des 19.
Jahrhunderts war dafür verantwortlich, dass dieses Werk die Zeiten überdauert hatte – es war der Stoff selbst und vor allem diese mit Esprit gefüllte Musik, die den ungewöhnlich langanhaltenden Erfolg ermöglichte.
Allein, der Zahn der Zeit, er nagte danach auch an «Louise». Der Roman musical, wie sein Schöpfer die von ihm selbst schon während eines Aufenthalts in der Villa Medici 1887 in Ansätzen skizzierte Geschichte einer unbändigen wie unerfüllten Liebe in Anlehnung an die (Paris-)Romane von Zola, Balzac und Eugène Sue genannt hatte, verblasste nach und nach – «Louise» ist heute für viele die Unbekannte von der Seine, auf den Spielplänen suchte man sie in jüngerer Vergangenheit vergebens. Umso ritterlicher mutet die Entscheidung des Theaters ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Jürgen Otten
Die Herren, wiewohl Landsleute und beide mit reichlich Geist gesegnet, waren uneins. Während Samuel Pepys, dessen Tagebücher aus den Jahren 1660 bis 1669 eine noch heute stetig sprudelnde Quelle der Inspiration bilden, Shakespeares Schauspiel «A Midsummer Night’s Dream» mit einem Federstrich abkanzelte («Es ist das albernste und geschmackloseste Stück, das ich je...
Zweimal wird die Schiebetür im Hintergrund geöffnet. Die Aussicht: ganz famos. Ein Wald-Wiesen-Idyll – nur dass ein Absperrklebeband das Panorama teilt und Stacheldraht die Aussicht stört. Davor steht ein riesiger Metallstuhl. Der kann beklettert und umgekippt werden, ist Thron, Zimmerecke oder auch mal eine Art Gefängnis. Ganz reduzierte szenische Zeichen sind...
Den «Herrlichsten von allen» hätte sie schon gern an ihrer Seite. Aber blinde Schwärmerei? Bedingungslose Hingabe? Vielleicht doch erst mal abwarten. Eine kleine, subtile Doppelbödigkeit klingt mit, wenn Edith Mathis dieses Lied von Robert Schumann gestaltet. Das ist kein singendes Ich, das sich sofort heranschmeißt oder die Realität vergisst. Auch weil später...
