Paradis artificiels

Das Theater Chemnitz erweckt Gustave Charpentiers «Louise» nach einem langen Dornröschenschlaf wieder zum Leben – als Traumspiel im Wunderland der Hoffnung

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Es muss ihm wie ein Traum vorgekommen sein. Schon ein Greis war Gustave Charpentier, als die Opéra-Comique in Paris anlässlich des 50-jährigen Bühnenjubiläums seiner «Louise» eine neue Inszenierung durch den französischen Maler Maurice Utrillo vorbereitete, die gut und gern unter dem Motto «1000 Mal berührt, und stets ist etwas passiert» hätte stehen können. Denn nicht allein die unverhohlene Hommage an die zauberische Hauptstadt des 19.

Jahrhunderts war dafür verantwortlich, dass dieses Werk die Zeiten überdauert hatte – es war der Stoff selbst und vor allem diese mit Esprit gefüllte Musik, die den ungewöhnlich langanhaltenden Erfolg ermöglichte.

Allein, der Zahn der Zeit, er nagte danach auch an «Louise». Der Roman musical, wie sein Schöpfer die von ihm selbst schon während eines Aufenthalts in der Villa Medici 1887 in Ansätzen skizzierte Geschichte einer unbändigen wie unerfüllten Liebe in Anlehnung an die (Paris-)Romane von Zola, Balzac und Eugène Sue genannt hatte, verblasste nach und nach – «Louise» ist heute für viele die Unbekannte von der Seine, auf den Spielplänen suchte man sie in jüngerer Vergangenheit vergebens. Umso ritterlicher mutet die Entscheidung des Theaters ...

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Opernwelt April 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Jürgen Otten

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