Dieses obskure Subjekt der Begierde

Elisabeth Stöppler untersucht in ihrer Düsseldorfer «Lady Macbeth von Mzensk»-Inszenierung die Dynamiken patriarchaler Gewalt, Vitali Alekseenok schärft brillant die Konturen in Schostakowitschs Partitur

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Treffen sich zwei. Sie, eine ausgehungerte, nach (körperlicher) Liebe dürstende Frau, deren Leben aus Ennui und gemeiner Unterdrückung besteht. Er, eine Art lisny celovek, ein armer, in der sozialen Hierarchie weit untenstehender Tropf, dessen einziges Vergnügen in erotischer Vergiftung besteht. Wie zwei magnetisch aufgeladene Monaden prallen Katerina Ismailowa und Sergej aufeinander; da bleibt nicht einmal Zeit für die hohe Kunst der Verführung. Ungehemmt, wie wilde Tiere, verklammern sie sich, ohne auch nur eine Sekunde über die Folgen ihres Tuns nachzudenken.

Das Äußerste, es passiert. Einfach so.

So einfach aber ist die Geschichte eben nicht. Katerina ist verheiratet, wenn auch mit einem Jammerlappen. Sinowij Borissowitsch Ismailow, den sie gegen ihren Willen auf höheren Befehl hin geehelicht hat, leidet selbst unter den Mechanismen jenes Systems, in dem sie alle ausnahmslos leben. Im «Reich» des Boris Timofejewitsch Ismailow gilt das Gesetz der Gewalt. Und diese Gewalt kennt keinen Unterschied zwischen Mann und Frau. Sie ist virulent, egal wohin man schaut, und sie bedient sich in vielen Fällen der Macht der Peitsche. Wer sich widersetzt oder gar entfliehen will, spürt die ...

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Opernwelt April 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten

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