Tod auf dem Backstage-WC
Der Kontrast von elegischem Kolorit und einer den Sprung in die Moderne vollziehenden Burleske ist ähnlich reizvoll wie das klassische Doppel von Mascagnis «Cavalleria rusticana» mit Leoncavallos «Pagliacci». Durch die Kombination der «Cavalleria» mit dem 25 Jahre später entstandenen «Gianni Schicchi» wird das kriminologische Potenzial Italiens in Opernform weitaus vielfältiger.
Denn statt zweier relativ kurzer Stücke über mehrere Ehren- und Eifersuchtsmorde im ländlichen Raum erlebt man in Erfurt durch «Gianni Schicchi» die Erweiterung dieser affektiven Rechtsverstöße um einen im urbanen Florenz eingefädelten Erbschaftsbetrug.
Dass Regisseur Markus Dietz zum eindeutigen Verständnis von Liebesbegebenheiten gern Schwarz-Weiß-Videos einsetzt, weiß man in Erfurt seit seiner Inszenierung von Rossinis «Le Siège de Corinth». Auch in Mascagnis Oper kommt auf der Bühne von Ines Nadler mit Feuerschale zur Osternacht und einer Wand mit Neonröhren erst die ehebrechende Lola mit Turiddu ins Bild, später die sich ekstatisch am Eklat und seinen Konsequenzen erhitzende Siedlungsgemeinschaft (der von Markus Baisch vorbildlich einstudierte Chor des Hauses). Die Leute sind ärmlich. Eine solche ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Roland H. Dippel
Sinnierend sitzt sie am äußersten Bühnenrand und lauscht der traurigen Weise des Englischhorns. Wo wir sind? Im dritten Aufzug von Wagners Weltendrama «Tristan und Isolde». Eigentlich ist dieser Akt auf Isoldes sehnlichst erwartete Ankunft in Tristans Heimat Kareol ausgerichtet. In Eva-Maria Höckmayrs Inszenierung am Staatstheater Darmstadt aber ist Isolde von...
Man nehme eines der zahlreichen Shakespeare-Stücke – in diesem Falle «Viel Lärm um nichts» –, streiche den Hauptstrang des dramatischen Plots, den Scheintod der schönen Hero und ihre glückliche Wiederauferstehung, konzentriere sich auf die beiden Nebenfiguren Béatrice und Bénédict, beide angeblich Liebes- und Eheverächter, die durch eine Intrige dann zum...
Sie können sich aussuchen, wo Sie sitzen wollen. Es ist leider sehr schlecht verkauft», sagt die Platzanweiserin und weist bedauernd auf die spärlich besetzten Reihen des Mecklenburgischen Staatstheaters. Eines steht fest: Mit der aktuellen Produktion von Ethel Smyths Oper «Strandrecht» (die im französischsprachigen Original «Les Naufrageurs» heißt und heute meist...
