Pädagogisch wertvoll
Es gibt diese Geschichten. Geschichten, die so gehaltvoll ausgezirkelt, so zeitlos verrätselt sind, dass man sie immer wieder hören möchte. Wolfram von Eschenbachs große Erzählung über den Ritter Parzifal, der in die Welt hinauszog, um sich, seine Bestimmung und wohl auch das Glück zu suchen, ist so eine Geschichte.
Doch muss man sie reduzieren, humorisieren, krampfhaft aktualisieren? Nach der Uraufführung von Henrik Albrechts Kammeroper «Ritter Parceval» in der Berliner Philharmonie möchte man es bezweifeln. Auf den ersten Blick alles schicklich. Und gut. Und richtig.
Die Produktion ist Resultat eines Education-Projekts der Berliner Philharmoniker; beteiligt daran waren einzelne Orchestermitglieder, Gesangssolisten baden-württembergischer Musikhochschulen und Stipendiaten der Karajan-Akademie. Prädikat: pädagogisch unbedingt wertvoll.
Als problematisch erweisen sich zwei Dinge. Erstens: Musiktheater im Konzertsaal wirkt stets halbfertig, unentschlossen; szenische Verdichtung ist so gut wie unmöglich – vor allem, wenn sie anbiedernd-brav gerät wie hier. Zweitens: Albrechts Komposition ist eklektizistisch bis zum Abwinken. Und leider nur da elektrisierend, wo sie Wagner (fast) ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2018
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Jürgen Otten
Um die südlichste Landeshauptstadt Österreichs zu erreichen, muss man von der Magistrale zwischen München und Wien abbiegen und das Massiv des Tauerngebirges unterfahren. Das 1910 zum 60. Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph I. in Klagenfurt eingeweihte «Jubiläums-Stadt-Theater» liegt so gesehen in einer Art geschützten Zone, ist durch seine Lage im...
Ein Bühnenbild wie ein Schrei. Schwarze Zeichen winden sich auf heller Leinwand: brutal hingeworfen wie gekrümmte Leiber, verrenkte Glieder, flehende Arme. Verkohlte Spuren eines grausamen Gemetzels. Händels Oratorium «Jephtha», das Achim Freyer am Hessischen Staatstheater Wiesbaden mit verstörender Bilderwut in Szene setzt, erzählt eine archaische Geschichte: Um...
Es ist ein kühnes Unterfangen, Goethes «Wahlverwandtschaften», jenen Roman, der auch für gestandene Germanisten nicht unbedingt zu den kurzweiligsten Lektüreerinnerungen gehört, auf ein Musiktheaterstück von knapp zwei Stunden einzudampfen. Der für das Libretto zuständige Autor Armin Petras reduziert Goethes in epischer Breite angelegtes Werk dazu auf seinen...
