Pädagogisch wertvoll

Henrik Albrechts Kinderoper «Ritter Parceval» in Berlin

Opernwelt - Logo

Es gibt diese Geschichten. Geschichten, die so gehaltvoll ausgezirkelt, so zeitlos verrätselt sind, dass man sie immer wieder hören möchte. Wolfram von Eschenbachs große Erzählung über den Ritter Parzifal, der in die Welt hinauszog, um sich, seine Bestimmung und wohl auch das Glück zu suchen, ist so eine Geschichte.

Doch muss man sie reduzieren, humorisieren, krampfhaft aktualisieren? Nach der Uraufführung von Henrik Albrechts Kammeroper «Ritter Parceval» in der Berliner Philharmonie möchte man es bezweifeln. Auf den ersten Blick alles schicklich. Und gut. Und richtig.

Die Produktion ist Resultat eines Education-Projekts der Berliner Philharmoniker; beteiligt daran waren einzelne Orchestermitglieder, Gesangssolisten baden-württembergischer Musikhochschulen und Stipendiaten der Karajan-Akademie. Prädikat: pädagogisch unbedingt wertvoll.

Als problematisch erweisen sich zwei Dinge. Erstens: Musiktheater im Konzertsaal wirkt stets halbfertig, unentschlossen; szenische Verdichtung ist so gut wie unmöglich – vor allem, wenn sie anbiedernd-brav gerät wie hier. Zweitens: Albrechts Komposition ist eklektizistisch bis zum Abwinken. Und leider nur da elektrisierend, wo sie Wagner (fast) ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2018
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Stimmpanoramen

Einzelarien aus dem umfangreichen Opernschaffen Nicola Porporas fehlen auf kaum einem Album mit Werken aus der Kastraten-Ära. Umso neugieriger durfte man sein, ob und wie Porporas Musik ihre Wirkung auch über die Länge einer kompletten Oper hinweg entfaltet. Das Publikum der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik erlebte bereits 2015 eine Aufführung des Dramma per...

Im Zweifel gegen den Angeklagten

«Wie man wird, was man ist» – Friedrich Nietzsches Sentenz wird im Sammelband von Jürgen Schläder und seinen Studenten allein auf die Gründungsgeschichte der Bayerischen Staatsoper und auf die Zeit zwischen der Weimarer Republik und den späten 1960er-Jahren bezogen. Der Leser aber gewinnt auf fast jeder Seite den Eindruck, hier liege eine Geschichtsschreibung ex...

Die Schlange an ihrem Busen

Oper oder Oratorium? Das ist hier nicht die Frage. Die Fakten sind eindeutig. Und besagen, dass «Saul», uraufgeführt am 16. Januar 1739 im King’s Theatre am Haymarket zu London, ein geistliches, typisch englisches Oratorium ist, in dem Georg Friedrich Händel, wie schon bei «Esther», «Deborah» und «Athalia», auf ingeniöse Weise Merkmale der italienischen Seria mit...