Pädagogisch wertvoll
Es gibt diese Geschichten. Geschichten, die so gehaltvoll ausgezirkelt, so zeitlos verrätselt sind, dass man sie immer wieder hören möchte. Wolfram von Eschenbachs große Erzählung über den Ritter Parzifal, der in die Welt hinauszog, um sich, seine Bestimmung und wohl auch das Glück zu suchen, ist so eine Geschichte.
Doch muss man sie reduzieren, humorisieren, krampfhaft aktualisieren? Nach der Uraufführung von Henrik Albrechts Kammeroper «Ritter Parceval» in der Berliner Philharmonie möchte man es bezweifeln. Auf den ersten Blick alles schicklich. Und gut. Und richtig.
Die Produktion ist Resultat eines Education-Projekts der Berliner Philharmoniker; beteiligt daran waren einzelne Orchestermitglieder, Gesangssolisten baden-württembergischer Musikhochschulen und Stipendiaten der Karajan-Akademie. Prädikat: pädagogisch unbedingt wertvoll.
Als problematisch erweisen sich zwei Dinge. Erstens: Musiktheater im Konzertsaal wirkt stets halbfertig, unentschlossen; szenische Verdichtung ist so gut wie unmöglich – vor allem, wenn sie anbiedernd-brav gerät wie hier. Zweitens: Albrechts Komposition ist eklektizistisch bis zum Abwinken. Und leider nur da elektrisierend, wo sie Wagner (fast) ...
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Opernwelt April 2018
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Jürgen Otten
Als sich in England die Alte-Musik-Bewegung mit ihrem «authentischen Klangbild» zu formieren begann, lästerte der Dirigent Neville Marriner, dies sei so etwas wie eine makrobiotische Bewegung der Musikszene. Allerdings war Marriners Academy of St Martin in the Fields eines jener Ensembles, die schon davor über die romantische Konzertauffassung hinaus nach...
Mit schöner Regelmäßigkeit beschwert sich mein Freund Gwynne, ein walisischer Bass Ende 70, bei mir darüber, dass man ihm an Covent Garden nie eine würdige Abschiedsparty geschmissen hat. Gut 40 Jahre lang stand er dort auf der Bühne, in kleinen wie in großen Rollen. Seinen letzten Auftritt hatte er mit «Gianni Schicchi» in einer Schulmatinee. Mein Freund rechnete...
Hätte Nietzsche «Die Rheinnixen» gekannt, hätte er seine Meinung, Jacques Offenbach, «dieser geistreichste und übermütigste Satyr», sei «eine rechte Erlösung von den gefühlsamen und im Grunde entarteten Musikern der deutschen Romantik», womöglich relativiert. Denn es handelt sich hier durchaus um ein Werk, das als romantische Oper sui generis durchgeht, keineswegs...
