Over and over und nicht vorbei
Sechs Performer in knallblauen Leggins aus Lycra mit engen Tanktops schwingen Arme und Beine zu pulsierenden Lautsprecher-Rhythmen. Mit hochkonzentrierten Gesichtern legen sie eine perfekt synchrone Aerobic-Choreografie hin, an der Grande Dame Jane Fonda ihre helle Freude hätte. Für die zweite Ausgabe des diesjährigen Musiktheater-Festivals «Schall und Rausch» verwandelt das niederländische Theater-Kollektiv Klub Gewalt den Saal einer Neuköllner Brauerei in eine Sporthalle und erfindet kurzerhand ein brandneues Genre: die Workout-Oper.
Während die Darstellerinnen und Darsteller schwitzen, erzählen sie polyphon singend die Geschichte des niederländischen Ringturn-Weltmeisters und Medienstars Yuri van Gelder. In rasantem Tempo werden die Stationen eines typisch tragischen Sportlerlebens heruntergerattert: von bescheidenen Anfängen über Weltruhm bis zu Dopingskandalen und dem unvermeidlichen Abstieg. «Yuri» ist eine gut gelaunte und vor Ironie triefende Abrechnung mit dem leeren Ehrgeiz einer hyperindividualistischen Leistungsgesellschaft. «I am a goal getter. Setting goals is a major goal of life», ächzt das Kollektiv, während es angestrengt auf der Stelle marschiert. Anschließend, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2024
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Anna Schors
Turandot war sein Schicksal. Nicht aber die eisgekühlte Prinzessin dieses Namens, sondern Giacomo Puccinis unvollendete Oper. Mit ihrer Vervollständigung wurde Franco Alfano nach dem Tod des Komponistenkol -legen 1924 beauftragt, allein, großes Glück war ihm nicht beschieden. Seine erste Version (nach Skizzen Puccinis) fegte der Uraufführungsdirigent Arturo...
Bühnenbilder von Karl-Ernst Herrmann bewegten sich immer «in einer unnachahmlichen Spannung zwischen den hinreißenden Details und dem großen Ganzen Schönen», schrieb Gerhard Stadelmaier 2018 in seinem Nachruf für die FAZ. Das große Ganze, meistens auch Schöne ist bekannt: Herrmanns Anfänge mit Kurt Hübner in Ulm und Bremen, die höchst individuellen (Ent-)Würfe für...
Unkonventionell
Als Tanzchoreografin ist sie eine Instanz. Doch auch in der Oper hat Sasha Waltz einige hochinteressante Regiearbeiten vorgelegt, von Purcells «Dido» über Dusapins «Medea» bis hin zu Wagners «Tannhäuser». Bei den Osterfestspielen Salzburg wagt sich Waltz nun an eines der schwierigsten Werke – an die Johannes-Passion von Bach. Wir schauen zu
Polyglot...
