Lauter Mutmaßungen
Unnahbarkeit strahlt sie aus, die Bronzestatue Kirsten Flagstads vor dem Opernhaus zu Oslo. Als wollte die große Sopranistin sagen: «Lasst mich in Ruhe!» Diese Aufforderung kam ihr denn auch aus tiefstem Herzen. Gerichtet war sie an jene Zeitgenossen, die Fake News über sie schon zu einer Zeit verbreiteten, da diese Kategorisierung von öffentlich gemachten Lügengeschichten noch gar nicht existierte. Der Imperativ brachte es auch zum Buchtitel: Eve Marie Lunds Biografie erschient bislang aber nur auf Norwegisch.
Die Autorin des vorliegenden Buches (in der Übersetzung von Gabriele Haefs) heißt Ingeborg Solbrekken, und seine Lektüre wird erschwert angesichts der vielen Plattitüden, euphemistischen Formulierungen und vagen Vermutungen.
Kirsten Flagstad, 1895 in Hamar geboren, 1962 in Oslo gestorben, war für viele die bedeutendste Wagner-Sängerin aller Zeiten. 1933 feierte sie ihr Bayreuth-Debüt; dass dies just in dem Jahr stattfand, da die Nationalsozialisten das Deutsche Reich politisch in Besitz nahmen, hat manches Missverständnis bezüglich ihres angeblichen engen Verhältnisses zu Nazi-Deutschland gefördert. Speziell in den Vereinigten Staaten, wo sie von 1935 an ihre Karriere an ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 38
von Gerhard Persché
Alexander Zemlinskys «Traumgörge» war vom Unglück verfolgt. Die 1907 in Wien bereits fertig geprobte Uraufführung dieses Hauptwerks des deutschen Fin de Siècle wurde nach Mahlers Rücktritt als Direktor der Hofoper abgesetzt und fand erst 1980 in Nürnberg statt – lange nach Zemlinskys Tod 1942 im Exil. Wie spätere Inszenierungen benutzte sie ein korruptes...
Die Entscheidung fällt nicht eben leicht: Soll man Lehárs «Lustige Witwe» nun toll finden oder doch eher ein bisschen doof? Wäre der Maßstab die Art und Weise, wie Patrick Hahn den orchestralen Entr’acte mit der Melodie des Vilja-Lieds vor dem Finalakt dirigiert und dabei jede feine Nuance dieses melancholischen Klangbildes hervorzaubert, fiele das Votum klar aus:...
Der Anfang ist geklaut. Etwas freundlicher ausgedrückt: eine Reverenz. Die fliehende Straße, verfolgt von einer Kamera, die in Windeseile ins Nichts rast, kennen wir aus dem Film «Mulholland Drive» von David Lynch. Hier, in der Halle E des Museumsquartiers, wird das Entrée allerdings anders untermalt – von der Ouvertüre zu Gounods Drame-lyrique «Roméo et Juliette»,...
