Outsider von heute
An «La Bohème» führt kein Weg vorbei; Puccinis Oper muss man einfach lieben. Ein Rührstück, gewiss, aber eines, dessen emotionale Kraft auch heute noch ungebrochen ausstrahlt. Im Theater Basel wird es unterstrichen durch das Sinfonieorchester der Stadt, das unter der Leitung der neuen Basler Musikdirektorin Kristiina Poska seine Funktion voll ausspielt – in herrlich opulentem Sound, bisweilen etwas laut, aber mit farblichen Reizen, wie sie gewöhnlich nicht zu hören sind. Der Akzent auf dem Instrumentalen unterstreicht, dass es in «La Bohème» durchaus nicht nur die Singstimme gibt.
Dass dieser Irrglaube noch immer zu den Rezeptionsmustern gehört, erwiesen die Reaktionen des Premierenpublikums, das auch in den zartesten Momenten mit lautstarkem Beifall in die abschließenden Passagen einfiel.
Wer zuhörte, konnte nicht nur ein sinfonisch aufrauschendes Orchester, sondern auch eine Besetzung erleben, die sich in mancher Hinsicht den hergebrachten Erwartungen entgegenstellte. Cristina Pasaroiu stellt eine sensible, wenn auch alles andere als unterwürfige Mimì vor; ihrem Schicksal ergibt sie sich mit eigenem Stolz. Davide Giusti wiederum erscheint als ein Rodolfo von lyrischer Qualität ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Peter Hagmann
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Märchen mögen Zufluchtsorte der Fantasie in einer unbehausten, verheißungslosen Welt sein – herzwärmend sind sie selten. Auch jenes von den Königskindern ist grausam und zugleich sehr aktuell: Das Liebespaar – ein naiv empathischer Königssohn und eine von einer Hexe aufgezogene, gleichwohl edelherzige Gänsemagd («Gutmenschen» würden die beiden heute wohl...
