Kolloraturen gegen die Apokalypse
Frau Kermes, Sie haben Ihre Kollegin Cecilia Bartoli vor Kurzem auf Twitter gedisst, wegen des Covers der «Farinelli»-CD, wo sie ausschaut wie Conchita Wurst …
Naja, Conchita Wurst gibt’s ja nicht mehr, sie ist längst wieder ein Mann mit kurzen Haaren. Außerdem hatte Farinelli nie einen Bart. Mir tut es einfach leid, weil viele Menschen sich darüber lustig machen. Das hat sie ja gar nicht nötig.
So ein Foto hätte man Ihnen auch zugetraut ...
Aber ist das was Neues? Kann man damit noch irgendwen schockieren? Wichtig ist doch der Inhalt.
Warum macht man ein Album? Ich will Menschen mit meiner Musik berühren. Ich möchte sie aufwecken, sie zum Handeln bewegen, denn wir steuern ja längst auf die Apokalypse zu: Klimawandel, Artensterben, Terrorattacken. Die Menschheit ist dabei, sich selbst zu erledigen. Wir müssen wieder die richtige Balance suchen, die wahre Mitte, wir haben eine Verantwortung für die nächsten Generationen. Das ist das Konzept meiner CD «Inferno e Paradiso»: Die sieben himmlischen Tugenden treffen auf die sieben Todsünden.
Sie singen da unter anderem «Poker Face» von Lady Gaga, direkt danach «Erbarme Dich» aus Bachs «Matthäuspassion». Wollen Sie selbst irgendwen ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Michael Stallknecht
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