Kolloraturen gegen die Apokalypse

Schon immer hat sich die Sopranistin Simone Kermes von der Popkultur inspirieren lassen. Nun singt sie Songs in Barock-Arrangements – und erzählt von ihrer spirituellen Mission

Opernwelt - Logo

Frau Kermes, Sie haben Ihre Kollegin Cecilia Bartoli vor Kurzem auf Twitter gedisst, wegen des Covers der «Farinelli»-CD, wo sie ausschaut wie Conchita Wurst …
Naja, Conchita Wurst gibt’s ja nicht mehr, sie ist längst wieder ein Mann mit kurzen Haaren. Außerdem hatte Farinelli nie einen Bart. Mir tut es einfach leid, weil viele Menschen sich darüber lustig machen. Das hat sie ja gar nicht nötig.

So ein Foto hätte man Ihnen auch zugetraut ...
Aber ist das was Neues? Kann man damit noch irgendwen schockieren? Wichtig ist doch der Inhalt.

Warum macht man ein Album? Ich will Menschen mit meiner Musik berühren. Ich möchte sie aufwecken, sie zum Handeln bewegen, denn wir steuern ja längst auf die Apokalypse zu: Klimawandel, Artensterben, Terrorattacken. Die Menschheit ist dabei, sich selbst zu erledigen. Wir müssen wieder die richtige Balance suchen, die wahre Mitte, wir haben eine Verantwortung für die nächsten Generationen. Das ist das Konzept meiner CD «Inferno e Paradiso»: Die sieben himmlischen Tugenden treffen auf die sieben Todsünden.

Sie singen da unter anderem «Poker Face» von Lady Gaga, direkt danach «Erbarme Dich» aus Bachs «Matthäuspassion». Wollen Sie selbst irgendwen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Michael Stallknecht

Weitere Beiträge
Wider die Macht des Schicksals

Strukturelle Improvisation – diese Formel trifft ziemlich genau, was Christian Jost anstrebt, wenn er neue Musik erfindet. Vor 15 Jahren brachte die Rheinoper in Düsseldorf sein erstes abendfüllendes Musiktheater heraus: «Vipern», eine griffig konstruierte Kriminalgeschichte aus dem elisabethanischen England. Seither sind sieben weitere Arbeiten für die Bühne...

Ring Award 2020 – das Halbfinale

So viel Andrang gab es nie: 126 Teams mit 326 Teilnehmenden hatten auf die Ausschreibung des neunten Musiktheaterwettbewerbs «Ring Award» reagiert und Ideen für eine Neuproduktion von Mozarts «Don Giovanni» eingereicht. Eine 17-köpfige Experten-Jury aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Schweden, Norwegen, Österreich, der Schweiz und Tschechien ermittelte im...

Kontinuität und Innovation

Ungewöhnliche Spielstätten wie die High Line, Manhattans hippester Parkstreifen, oder Clubs in Brooklyn. Als Hauptbühne die feine, 200 Plätze bietende Theater-Black-Box des Baruch Colleges: In nur fünf Jahren hat sich die Heartbeat Opera zur ehrgeizigsten freien Operntruppe New Yorks entwickelt. Gegründet wurde sie 2014 von dem aus Washington D.C. stammenden...