Die Kunst und das Böse
Ein Schuss in völliger Dunkelheit. Ein Aufschrei. Knall auf Fall sieht sich das Publikum in die Gegenwart verabschiedet, die sich prinzipiell nicht unterscheidet von dem Geschehen auf der Bühne. Auf der Place de Neuve wirkt zwar alles friedlich. Aber etwas weiter weg könnte man sich ein Theater, wie Heike Scheele es auf die Bühne des Grand Théâtre gebaut hat, durchaus vorstellen. Einen Ort, an dem Künstler Zuflucht gefunden haben vor einer marodierenden Soldateska. Gespielt wird hier schon lange nicht mehr. An den Logenbalustraden nagt der Zahn der Zeit. Der Putz bröckelt.
Ein paar übrig gebliebene Kostümkisten lassen darauf schließen, dass hier einst «Die Entführung aus dem Serail» gegeben wurde.
Mozarts Singspiel war, als Rameau «Les Indes galantes» schrieb, zwar noch gar nicht komponiert, aber das Genfer Opernhaus ist an diesem Abend ohnehin eher ein Zufluchtsort der Fantasie, während draußen Kriegslärm das Gebäude umtost. Immer wieder fallen Schüsse, und wie von nackter Angst getrieben, stürzen sich die auf der Bühne Verbliebenen in einen Sinnestaumel, um die schmerzende Wirklichkeit für einige Zeit zu betäuben. Rasch werden auf Hébés Geheiß Lazarettbetten zu einer Lagerstatt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Hartmut Regitz
Ist zu Beethoven nicht schon alles gesagt, erforscht worden? Keineswegs. In Bonn begab man sich zu seinem 250. Geburtsjahr auf eine Entdeckungsreise, die zwar keine revolutionär neuen Erkenntnisse, aber viele bislang unbekannte Facetten und Details aus dessen Leben und Werk zutage förderte. Ein Großteil des dokumentarischen Materials fand sich vor Ort in...
Man könnte es mit Schiller erfragen: «Wie kommt mir solcher Glanz in meine Hütte?» Und sogleich die Antwort geben: indem sich Altes und Neues aufs Schönste miteinander verbinden. Bei der Renovierung der
PRAGER STAATSOPER, die am 5. Januar, auf den Tag genau 132 Jahre nach der feierlichen Einweihung mit Richard Wagners «Meistersingern», mit einem Galakonzert unter...
Märchen mögen Zufluchtsorte der Fantasie in einer unbehausten, verheißungslosen Welt sein – herzwärmend sind sie selten. Auch jenes von den Königskindern ist grausam und zugleich sehr aktuell: Das Liebespaar – ein naiv empathischer Königssohn und eine von einer Hexe aufgezogene, gleichwohl edelherzige Gänsemagd («Gutmenschen» würden die beiden heute wohl...
