Opernwundertüte

Der Dramaturg Norbert Abels blickt tief ins Innere des Musiktheaters

Norbert Abels, Chefdramaturg der Oper Frankfurt und Professor an der Folkwang Hochschule Essen, ist einer der klügsten, umtriebigsten Dramaturgen der Republik und als Essayist gewiss der produktivste und inspirierendste. 2009 hat er unter dem hintersinnigen Titel «Ohrentheater» im Frankfurter Axel Dielmann-Verlag eine 800-Seiten-Sammlung seiner (zuvor meist in Programmheften erschienenen) Texte vorgelegt.

Jetzt folgt, wieder bei Dielmann, unter dem ebenso doppeldeutigen Titel «Notenlese» ein weiteres opus magnum, das, nach grundsätzlichen Überlegungen zur Begrifflichkeit und Sprachfähigkeit von Musik, Opern von Purcell bis Adès Revue passieren lässt – Seitenblicke auf nichttheatralische Werke eingeschlossen – und mit einer Huldigung an Abels’ großes Vorbild, die Regisseurin Ruth Berghaus, schließt.

Was Abels an der Berghaus rühmt – das Erhabene des Kunstwerks, die Zeiten überfliegend, zugleich mit dem alltäglich Menschlichen auf die Bühne zu bringen – charakterisiert auch seinen eigenen Zugriff, sein eigenes Schreiben. Ausgangs- und Endpunkt ist immer die Theatralität, die Auge und Ohr zugleich stimulierende Bühnensphäre, das Verhältnis von Sprache und Musik. Dabei ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 31
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Unterm Seziermesser

An diesen Arrangements klebt nicht nur das Fin de siècle, sondern – aus etwas schräger Sicht – wohl auch das Wiener Kaffeehaus. Obwohl sie nicht für diese Lokale geschaffen wurden, sondern für Arnold Schönbergs 1918 gegründeten «Verein für musikalische Privataufführungen», dessen Konzerte in den unterschiedlichsten Sälen stattfanden, darunter der Musikverein...

Im Krallenschritt

Was für ein Herrscher! Nicht nur faul, feist und fett ist er, sondern auch noch dumm, primitiv und überheblich. Aufs Regieren hat er definitiv keine Lust. Den lieben langen Tag vergammelt er unrasiert, unfrisiert im gestreiften Schlafanzug unter dem Plumeau seines Donald-Trump-protzigen Bettes, seine beiden Söhne jagt er allein aus Bequemlichkeit in die Schlacht....

Klappe zu

Hollywood. Irgendwann in den 1920ern. Ein Probedreh im Studio. «Sunset Motion Pictures» heißt die Traumfabrik, die Jürgen Flimm sich von George Tsypin hat ins Schiller Theater bauen lassen. Scheinwerfer, Schminktische, Kameras, Mikros, Best Boys, Glitzergirls – alles stilecht. Auf einer Leinwand Ozeandampfer, Straßenszenen, eine Fahrt im Cabrio, Gesichter in...