Opernlaboratorium

Paris | Théâtre des Champs-Elysées | Cavalli: La Didone

Opernwelt - Logo

Folgt man Vergil, dann stirbt Dido am Ende einsam und verlassen. Doch Francesco Cavalli und sein Librettist Francesco Busenello schenken der karthagischen Königin nicht nur ihr Leben, sondern auch noch einen Gatten. Der schwer verletzte, überraschend von Merkur gerettete König Jarbas überzeugt Dido während ihres (scheiternden) Selbstmordversuchs von einem künftigen Leben zu zweit.

Bevor man das frohe Finale eines sehr langen Opernabends im Paris erlebt, gibt es allerdings einige Merkwürdigkeiten. Das fängt beim Aufführungsort an.

An der Prachtstraße selbigen Namens sucht man das Théâtre des Champs-Elysées nämlich vergebens. Von den Champs-Elysées geht es ein gutes Stück die Avenue Montaigne hinein; nach dem Passieren unzähliger Boutiquen taucht dann plötzlich das Theater auf. Rote Teppiche führen ins Foyer, wo frischer Schinken gehobelt wird. Es fließen Champagner und Wein  – ein schöner Kontrast zu labbrigen deutschen Theaterwürsteln oder schalem Opernpils. Die Garderobe ist gratis, dafür sammeln die Platzanweiser Geld mit dem Klingelbeutel ein...

Zum elegant skurrilen Ambiente des Theaters passte Clément Hervieu-Légers Inszenierung. Der Regisseur arbeitet seit Längerem als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Jörn Florian Fuchs

Weitere Beiträge
In sich geschlossen

Man könnte glauben, der «Parsifal» sei ein Öperchen, dass sich sogar in Krisenzeiten mal eben stemmen und auf CD verewigen ließe. Kurios, dass ausgerechnet Wagners himmlisch langes Bühnenweihfestspiel nun in einer dritten Neueinspielung binnen anderthalb Jahren vorliegt. Nach Valery Gergiev mit dem Mariinsky Orchestra (siehe OW 12/2010) und Jaap van Zweden mit dem...

Archetypen, abstrakt

Lange Zeit gehörte Antonin Dvoráks «Rusalka» nicht gerade zu den Stützen des Repertoires. Das als zweite tschechische Nationaloper geltende Werk ist nicht leicht auf die Bühne zu bringen. Zeitgleich mit Debussys «Pelléas» entstanden, thematisiert «Rusalka» Naturmotive ungleich naiver, märchenhafter und überhöht sie zugleich ins Mystische. Nachdem Jossi Wieler und...

Potenzial und Pathos

In diesem Jahr jährt sich der napoleonische Krieg in Russland zum zweihundertsten Mal. Prokofjews Oper «Krieg und Frieden» (nach Tolstois Roman), die diese Zeit feiert, ist allerdings ein Monster, kaum aufführbar. Sie beinhaltet viel Siegespathos, das heute inakzeptabel wirkt. Für einen Abend ist das Stück außerdem zu lang. Allerdings können Striche manches retten.

...