Opern für einen bedächtigen Herrscher
«Der König tanzt» («Le Roi danse») – Gérard Corbiaus Film über das Musikleben im Versailles Ludwigs XIV. rückt mit größter Selbstverständlichkeit das Ballett ins Zentrum. Ludwigs politischer Kontrahent, der Habsburger Leopold I., war ein schlechterer Tänzer, aber ein besserer Musiker als der Franzose: Er spielte Cembalo und Geige und komponierte selbst, vor allem geistliche Musik.
Seine ganze Liebe galt der Oper, für die er eine Menge Geld ausgab: Der junge Kaiser (seit 1658) lockte einige der berühmtesten (und teuersten) italienischen Künstler nach Wien, den Komponisten Antonio Draghi, den Librettisten Nicolò Minato und den Bühnenbildner Burnacini. Die Ausgaben waren gerechtfertigt, weil die Oper nicht nur dem Vergnügen des Kaisers und des Hofes diente, sondern politisch-ideologische Botschaften verkündete, die in ganz Europa genau registriert wurden.
Bisher haben sich die Forscher vor allem für Großereignisse wie die (einzige) Aufführung von Antonio Cestis «Festa teatrale» «Il pomo d’oro» (1668) interessiert. Für das mindestens acht Stunden dauernde Spektakel wurde ein neues Theater gebaut, das 5000 Zuschauern Platz geboten haben soll. Wesentlich weniger aufwändig waren die ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Medien | Bücher, Seite 38
von Albert Gier
Als die vormals Städtische Oper Berlin, nunmehr in Deutsche Oper umbenannt, vor einem halben Jahrhundert in ihr neues Haus an der Bismarckstraße einzog, war das nicht nur ein herausragendes kulturelles, sondern auch ein politisches Ereignis. Wenige Wochen zuvor war die Mauer gebaut worden, dem Westberliner Opernhaus entstand daraus eine zusätzliche Verpflichtung:...
Man traut seinen Ohren nicht. Als hätte man nicht schon immer die selbstbewusste Kraft und radikale Originalität von Schostakowitschs Gogol-Adaption «Die Nase» (Leningrad/St. Petersburg, 1930) geschätzt, nicht schon immer registriert, um wie viel «moderner» sie ist als vieles andere, das seither seine Avantgarde-Kanten eingebüßt hat. Was Ingo Metzmacher da mit dem...
Die Entstehungsgeschichten von «Krieg und Frieden» als Roman und als Oper weisen verblüffende Parallelen auf. Als Tolstoi begann, schwebte ihm eine Familienchronik mit Happy End vor. Die Dynamik jener historischen Periode, in der er das Geschehen ansiedeln wollte, führte aber zur allmählichen Weitung der Perspektive aufs große Ganze: Napoleons Russlandfeldzug, der...
