«Oper muss sein»
Herr Schindhelm, Ihr Amt als Generaldirektor der Opernstiftung bedeutet insofern Pionierarbeit, als in Berlin eine Entscheidung darüber fallen muss, wie sich Oper heute als Kunstgattung in der Gesellschaft definiert. Welche Position nehmen Sie da ein?
Eine ermöglichende. Direktoren sind dazu da, einem großen städtischen Publikum möglichst viel zu bringen, Künstlern optimale Arbeitsbedingungen zu verschaffen und Technikern und Verwaltungsmitarbeitern hinter den Kulissen natürlich auch.
Dass Oper eine (bekanntlich relativ junge) Kunstform ist, die auch aus dem Bewusstsein der ökonomistischen Gesellschaft unserer Tage nicht zu löschen ist, wird wohl niemand bestreiten. Oper ist als Gesamtkunstwerk nur mit dem Film vergleichbar. Beide Kunstformen sind aber deshalb in der Regel an aufwändige Apparate gebunden. Es hat nie ein fixes Verhältnis der Gesellschaft zur Oper gegeben. Die abendländische Kultur steht heute vielleicht an einer Schwelle wie zu Monteverdis Zeiten. Deshalb müssen wir den Stellenwert der Kunstform Oper in der Gesellschaft stärken: Oper muss sein. Das kann nur gelingen, wenn es ein selbstbewusstes, sich um seine ureigensten Kulturinteressen sorgendes Bürgertum ...
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