Oper für Musiker

Leo Hussain hält in Brüssel ein flammendes Plädoyer für George Enescus «Œdipe»

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Der erste Gedanke, wenn man diese Oper hört: Enescu kann alles! Aber er kann es nicht nur aus traumwandlerisch sicherer Beherrschung des Metiers, sondern aus tiefer Einsicht in die musikalische Praxis. Enescu war, wie historische Aufnahmen belegen, ein begnadeter Geiger, ließ im Trio mit Alfredo Casella und Louis Fournier oder in seinem Streichquartett die Kammermusik atmen, stand als Dirigent vor den Berliner und New Yorker Philharmonikern (die er 1936 beinahe von Toscanini als Chefdirigent übernommen hätte).



All diese Erfahrungen aus der Praxis flossen in seine einzige Oper «Œdipe», eine Variante des Ödipus-Mythos, ein. Sie beschäftigt ein großes Orchester – inklusive einer Singenden Säge für das Porträt der thebanischen Sphinx als zugleich geisterhaftes und halbseidenes Wesen (damals war Marlene Dietrich als Virtuosin auf der Säge berühmt). Aber diese Partitur ist, wenn der Dirigent und die Hausakustik das unterstützen, perfekt austariert zwischen pathetischer Klangentladung – schließlich spielt man griechische Tragödie! – und kammermusikalischer Intimität. Enescus musikalische Fantasie, mit der er diese Ebenen zum großen vieraktigen Drama schichtet, ist enorm. Raffiniert ...

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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Michael Struck-Schloen

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