Obertöne und Untertöne

Catarina Ligendza zum Achtzigsten

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Götz Friedrich war fassungslos. Nein, das könne doch nicht wahr sein. Das sei eine Falschmeldung. Catarina Ligendza habe mit dem Singen aufgehört? So plötzlich? Mitten heraus aus den größten Erfolgen ihrer Laufbahn? Der mächtige Intendant und Regisseur, damals ebenfalls auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn, wusste genau, was das bedeutete – für seine «Ring»-Produktion an der Deutschen Oper Berlin, für das Wagner-Repertoire, ja für die gesamte Welt der Oper.

Auch wenn die letzten Gründe nie ganz geklärt wurden oder jedenfalls ihr Geheimnis sind, so war es doch eine Tatsache: Catarina Ligendza zog sich mit 50 Jahren von der Bühne zurück. Eine radikale Entscheidung. Niemand wird sagen können, er habe sie nicht (mehr) im Vollbesitz ihrer stimmlichen Kräfte, ihres stimmlichen Glanzes erlebt.

Dieser Glanz war ungeheuer. Rein stimmtechnisch beruhte er auf einem unforcierten Ansatz, einer Entwicklung des Tones aus der Pianissimo-Region, auch in der hohen Lage und auch im sogenannten dramatischen Fach. So schwangen bei Ligendzas Gesang im physikalischen Sinn immer maximal viele Obertöne mit; die Stimme war von seltener Klarheit, Reinheit und Durchschlagskraft. Es schwangen aber auch –  im ...

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Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Magazin, Seite 104
von Stephan Mösch

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