Die Tiefe des Raums
Der Kritiker der «New York Times», John Rockwell, erlebte 1976 in Avignon eine Uraufführung, «die einem ein Leben lang in Erinnerung bleiben wird». Und tatsächlich: «Einstein on the Beach» zu sehen und zu hören, das Musiktheater der beiden US-Amerikaner Philipp Glass und Robert Wilson, das bedeutete Mitte der 1970er-Jahre für die europäische Musik- und Theaterlandschaft eine Novität seltener Eigenart.
Zu entdecken war ein neues, ganz anderes, eines die vertrauten Techniken der Kunst radikal in Frage stellendes Theater – schockierend, weil im Sog des musikalischen Minimalismus und einer entschleunigten Rhythmik der Bilder mit vielen Fragen befrachtet. Die repetitiv ratternde Orchesterkunst des Komponisten Phil Glass und die radikal reduzierte, non-verbale, in Tempo und Zeitraster extrem gedehnte Bildersprache Bob Wilsons, sie erzeugten – jenseits der landläufig narrativen Erzählstruktur und Konfliktpsychologie auf Theaterbühnen – eine betörende Faszination neuen Kunsterlebens.
«Einstein on the Beach» damals allerdings im Teatro la Fenice Venedigs zu erleben, dorthin von Avignon rasch zur Biennale Musica transportiert, das bewirkte zwangsläufig eine Provokation im weiten Feld ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Magazin, Seite 94
von Wolfgang Schreiber
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