O Mare Mio
Kapitän ist auch nicht einfach. Hoch auf der Brücke stehen, das große Rad drehen und den Blick über die Weiten des Meeres schweifen lassen? Das war gestern. Olaf Hartmann hat viel mehr zu tun als die «Europa» auf Kurs zu halten; meist läuft das 1999 in Helsinki vom Stapel gelaufene Fünf-Sterne-Plus-Kreuzfahrtschiff ohnehin auf Autopilot. Der Kapitän ist überall zu sehen. In der Theater-Lounge muss er Seemannslieder singen (und macht das mit seinem gütigen Bariton gar nicht schlecht). Zum «Bayerischen Frühschoppen» auf dem Achterdeck das Bierfass anstechen.
Beim Cocktailempfang für die Neuen zirka 300 Hände schütteln und für Erinnerungsfotos posieren (die später zum Verkauf angeboten werden). Beim Sieben-Gänge-Diner mit Auserwählten Smalltalk machen. In stoischer Ruhe die immer gleichen Fragen ahnungsloser Landratten beantworten (wo ist noch mal Backbord?). Doch bei alledem lächelt Olaf Hartmann dieses nie verspannte, nie verrutschende, kleidsame Lächeln, das so gut zu seiner tadellos sitzenden Uniform passt wie das arrivierte Modelpaar in die Werbefotos, die den Hochglanzprospekt der «MS Europa» schmücken. Man meint dieses Lächeln sogar zu hören, wenn er in den täglichen Durchsagen ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Reportage, Seite 52
von Albrecht Thiemann
«Kult» war das Thema der 40. Tage Alter Musik in Herne im November, zum Abschluss gab es einen italo-englischen Opernhit: Giovanni Bononcinis 1696 für Neapel geschriebene Oper «Il trionfo di Camilla regina de Volsci». Nicola Haym bearbeitete sie 1706 für London und brachte sie dort – als erste italienische Oper überhaupt in England – zur Aufführung, Kräftig...
In seiner Berliner Inszenierung situiert Dmitri Tcherniakov Rimsky-Korsakows meist als historisch-romantisches Rührstück verkitschte «Zarenbraut» in der medialen Gegenwart eines russischen Fernsehstudios, wobei immer wieder punktgenaue Überblendungen, aber auch irritierende Brechungen zwischen der realen Eifersuchtstragödie und der von der Medienmafia inszenierten...
Schon in den ersten Tönen der Eingangsarie aus dem Oratorium «La resurrezione» entzünden die Mitglieder des Ensembles Il Giardino Armonico unter der Leitung von Giovanni Antonini ein Feuer. Und in keiner Nummer dieses Albums, das sich Werken des jungen Händels widmet, lässt die Hitze nach. Julia Lezhneva lässt sich von der Glut des Orchesters erfassen, facht sie...
